Arctic 30: Türkische Greenpeace-Aktivistin kommt gegen Kaution frei

Das Bezirksgericht in Primorsky hat am Donnerstag entschieden, dass die türkische Greenpeace-Aktivistin Gizem Akhan gegen Kaution frei kommt. Gut zwei Monate verbringt die junge Frau nun schon in russischer Haft. Die Entscheidung fiel nur Stunden, bevor der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan zu Gesprächen nach Russland aufbrach.

Russische Gerichte haben am Donnerstag ihre Entscheidungen über die am 19. September festgenommenden 28 Greenpeace-Aktivisten und zwei Journalisten fortgesetzt. Jetzt können auch die Angehörigen der türkischen Umweltschützerin Gizem Akhan aufatmen. Ein Bezirkgsgericht hat entschieden, dass die 25-Jährige gegen Kaution frei kommen kann. Bis es soweit ist, kann es aber noch etwas dauern.

In Woche zehn nach der Inhaftierung der „Arctic Sunrise“-Crew hat die russische Justiz damit begonnen, die ersten Aktivisten freizulassen oder wie im Fall des australischen Greenpeace-Aktivisten Colin Russell eine Verlängerung der Haft auszusprechen (mehr hier). Am Donnerstag kamen erneut einige Mitglieder der Arctic 30 frei. Anderen wurde eine Freilassung gegen Kaution in Aussicht gestellt, darunter auch der Türkin Gizem Akhan. Das geht aus dem Ereignis-Protokoll der internationalen Umweltschutzorganisation Greenpeace hervor.

Kaution ist bereits bezahlt

Sobald die Kaution bezahlt sei, werde Akhan entlassen. Das teilten ihre Anwälte nach der Anhörung mit. Unter Anklage stünden die freigelassenen Umweltschützer aber weiterhin. Wie der türkische Greenpeace-Offizielle Deniz Bayram der Zeitung Zaman erklärte, sei die Kaution bereits an die russischen Behörden gegangen. Nun würde man darauf warten, dass Akhan endlich frei käme. Seinen Angaben zufolge, arbeite Greenpeace daran, dass es dazu noch an diesem Freitag komme. Er gab jedoch zu bedenken, dass die Formalitäten durchaus länger dauern könnten.

Zuvor soll der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu bereits zugesichert haben, dass die türkische Regierung einspringen werde, falls Greenpeace die Kaution nicht stemmen könnte. Ein formelles Angebot von Seiten der Regierung soll es laut Bayram nicht gegeben haben. Ohnehin würde seine Organisation Zahlungen von Regierungen oder privaten Unternehmen nicht akzeptieren.

Türkische Abgeordnete setzen sich für Umweltschützerin ein

Am Mittwoch wurde außerdem bekannt, dass Davutoğlu in der Sache auch seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow kontaktiert hatte. Der türkische Generalkonsul in St. Petersburg hatte sich unterdessen mit der jungen Türkin treffen und mehr über ihre Haftbedingungen erfahren können. Während ihrer Anhörung standen ihr außerdem Gülçin Şahin, Greenpeace Mediterranean, die MHP-Abgeordneten Melda Onur und Veli Ağababa, der CHP-Abgeordnete İlhan Cihaner sowie der stellvertretende AKP-Vorsitzende Salih Kapusuz zur Seite. Daneben hatten gut 50 türkische Abgeordnete Briefe an den russischen Gerichtshof geschickt, um Akhans Freilassung zu erwirken.

Ob die Gizem Akhan nach ihrer Freilassung in die Türkei zurückkehren kann, steht unterdessen noch in den Sternen. Auch daran würde die Greenpeace- Rechtsabteilung derzeit arbeiten. Nichtsdestotrotz zeigte sie sich nach der Anhörung erleichtert:

„Sie haben beschlossen, mich freizulassen. Doch leider werden die Vorwürfe gegen mich aufrechterhalten. Was wir in den letzten zwei Monaten erlebt haben, war nicht einfach. Daher bin ich froh, dass das nun ein Ende hat. Nach Hause kann ich aber nicht. (…) Ich bin seit zwei Monaten im Gefängnis, weil ich die Welt, in der wir leben, schützen wollte. Wenn ich entlassen werden, werde ich nicht weglaufen. Denn ich habe nichts getan, weswegen ich weglaufen müsste. Ich habe keine Gewalt angewandt. Alles, was ich wollte, war eine Botschaft für die Zukunft der Arktis zu setzen.“

Insgesamt 26 Personen wurde in dieser Woche Kaution gewährt. Diese wurde für jeden Umweltschützer auf zwei Millionen Rubel, umgerechnet 61.500 Dollar festgesetzt. An diesem Freitag werden die Anhörungen fortgesetzt.

Recep Tayyip Erdoğan trifft Wladimir Putin

Am Tag von Akhans Anhörung machte sich auch der türkische Premier Premier Recep Tayyip Erdoğan in Begleitung von Außenminister Davutoğlu auf den Weg nach St. Petersburg. Seit September sollen die türkischen und russischen Behörden Kontakt zueinander haben und die Entwicklungen genau beobachten. Alles deutete darauf hin, dass Erdoğan das Thema auch während seiner Spitzengespräche in Russland anschneiden werde. Im Rahmen seiner Visite ist auch ein persönliches Treffen mit Präsident Wladimir Putin geplant.

Den Greenpeace-Aktivisten wird Piraterie und Rowdytum vorgeworfen. Ihnen drohen bis zu 15 Jahre Haft (mehr hier).

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