Papst Franziskus: Ein Naher Osten ohne Christen ist nicht denkbar

Für die Katholische Kirche ist ein Naher Osten ohne eine christliche Bevölkerung nicht akzeptabel. Das machte Papst Franziskus am Donnerstag deutlich. Die Angehörigen der religiösen Minderheit sind aufgrund regionaler Konflikte und Unruhen nicht selten dazu gezwungen, zu fliegen.

Papst Franziskus will die Situation der Christen im Nahen Osten offenbar nicht länger hinnehmen. Ein Naher Osten ohne sie sei für ihn nicht vorstellbar. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche pocht auf das universelle Recht auf ein würdevolles Leben und das Recht seinen Glauben frei zu praktizieren.

„Wir werden uns nicht damit abfinden und uns einen Nahen Osten ohne Christen vorstellen“, zitiert die Hürriyet Papst Franziskus nach einem Treffen mit Patriarchen aus Syrien, dem Iran und dem Irak. Alle Gläubigen müssten das Recht haben, „ein würdevolles Leben zu führen und dass das freie Praktizieren des eigenen Glaubens respektiert“ werde.

Radikaler Islam ist auf dem Vormarsch

Der politische Umbruch in der arabischen Welt hatte in den vergangenen drei Jahren vielerorts jedoch für das genaue Gegenteil gesorgt. Der radikale Islam ist auf dem Vormarsch, so dass sich die christliche Minderheit mittlerweile bedroht fühlt und sich gezwungen sieht, das jeweilige Land zu verlassen. Franziskus zufolge, habe er mit den Patriarchen über diejenigen, gesprochen die im Nahen Osten oft in kleinen Gruppen leben und von Feindseligkeit und Konflikten umgeben seien. Daneben sei es um die Größe der Diaspora gegangen, die zusehends wachse. Er sagte, er sei besorgt über „die Situation der Christen, die besonders schwer unter den Folgen der Spannungen und Konflikte in vielen Teilen des Nahen Ostens leiden. Syrien, der Irak, Ägypten und andere Bereiche des Heiligen Landes sind manchmal mit Tränen überflutet.“

In der Tat steigt unter anderem in Syrien die Lebensgefahr für Christen von Tag zu Tag. Mit dem Syrien-Konflikt drohen – wie am Beispiel des Irak – Urgemeinden des Christentums völlig unterzugehen (mehr hier). Franziskus sagte, er „werde nicht ruhen, solange es immer noch Männer und Frauen jeder Religion gibt, deren Würde beleidigt wird, die der für das Überleben notwendigen Grundlagen beraubt werden, deren Zukunft gestohlen wird, die gezwungen sind, Flüchtlinge oder Vertriebene zu werden.“ Entsprechend sollten die Patriarchen mit unermüdlichen Eifer dagegen vorgehen. Im Sommer 2012 hatte sein Vorgänger, Benedikt XVI. eine solche Reise in den Nahen Osten genutzt, um genau an diesen Zusammenhalt zu appellieren (mehr hier). Gleichzeitig forderte er die dort lebenden Christen auf, eben nicht auszuwandern oder sich in eine Opferrolle hinein zu begeben.

Derzeit leben in dieser Region etwa zwischen zehn und 13 Millionen Christen. Sie machen 36 Prozent der Bevölkerung im Libanon aus, in Ägypten sind es zehn Prozent, 5,5 Prozent in Jordanien, in Syrien 5,0 Prozent, bis zu 2,0 Prozent im Irak, in Israel 2,0 Prozent und 1,2 Prozent der Palästinenser. Louis Raphaël I. Sako, gewählter Patriarch der chaldäisch-katholischen Kirche, warnte im Radio Vatikan vor einer Entleerung des Nahen Ostens. Als Beispiel nannte er den Irak. Dort würden den Christen Visas ausgestellt, um das Land zu verlassen, selbst in Regionen, in denen sie nicht bedroht würden. Seit der US-geführten Invasion des Iraks im Jahr 2003 ist die 2.000 Jahre alte christliche Gemeinschaft im Land um mehr als die Hälfte geschrumpft.

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