50 Jahre Beitrittsg​espräche: Erdoğan und Putin lästern über EU

Premier Recep Tayyip Erdoğans EU-Müdigkeit wird auch beim aktuellen Staatsbesuch in Russland deutlich. In Sankt Petersburg hat er im Rahmen eines Gesprächs mit Wladimir Putin gesagt, dass die Türkei viel lieber in die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) eintreten wolle.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Sankt Petersburg haben sich der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan und der russische Präsident Wladimir Putin über die EU mockiert.

Putin sagte, dass er sich in Zukunft bei EU-Fragen beim türkischen Ministerpräsidenten Rat einholen werde. Denn der sei erfahren im Umgang mit den Europäern. Daraufhin lachte Erdoğan und sagte, dass das eine gute Idee sei. „Sehr richtig! Wir haben ja schließlich 50 Jahre Erfahrung. Das ist nicht leicht gewesen“, zitiert das Nachrichten-Portal Haber3 den türkischen Premier.

Sowohl die Journalisten als auch die Minister beider Seiten lachten über den europakritischen Austausch ihrer Staatsmänner. Premier Erdoğan erklärte auch, dass die Türkei ein größeres Interesse an einer Mitgliedschaft in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) als in der EU habe, berichtet Haber3 (mehr hier).

Die Wirtschafts-Beziehungen waren ebenfalls auf der Tagesordnung. Russland und die Türkei möchten ihr bilaterales Handelsvolumen erhöhen. „Wir haben das gemeinsame Ziel, bis 2020 den Handelsumsatz auf 100 Milliarden Dollar zu steigern“, zitiert RIA Novosti Erdoğan.

Das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern betrug im vergangenen Jahr 34 Milliarden US-Dollar (mehr hier). Offenbar sind sich Türken und Russen in Fragen des Handels einig. Denn auch der russische Botschafter in Ankara, Andrei Karlow, sagte im August, dass es das Ziel Russlands sei, das Handelsvolumen auf 100 Milliarden US-Dollar zu erhöhen. Der Kreml würde sich auch „freuen“, wenn die Türkei zum Hauptabnehmer russischer Energieträger wird, zitiert Haberturk den Botschafter. Doch Russland ist bekannt dafür, Erdgas-Exporte als politisches Druckmittel einzusetzen.

Im Bereich der Nuklear-Energie haben Russland und die Türkei gute Beziehungen. Der russische Konzern ROSATOM wird bis 2023 das erste türkische Kernkraftwerk in der Stadt Akkuyu errichten (mehr hier).

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