Lohn für Alkoholiker: Amsterdam bezahlt Straßenreiniger mit Bier

Ein Amsterdamer Projekt macht derzeit mit gar merkwürdigen Methoden von sich reden. Im Stadtbezirk Oost werden Alkoholiker für das Reinigen der Straßen mit Bier und Tabak entlohnt. Diese hatten früher für Unruhe im Oosterpark gesorgt. Auf diese Weise will die Stadt nun für Ruhe sorgen.

Einem Alkoholiker auch noch die Flasche zu reichen, scheint unter normalen Umständen nur schwer vorstellbar. In der Amsterdamer Sozialarbeit wagt man jedoch den Gedanken um die Ecke. Bis zu 40 Alkoholiker hatten den idyllischen Oosterpark unsicher und so die Anlaufstelle für Kinder und Familien madig gemacht. Mit dem so genannten „veegproject“ soll alles anders werden.

Die Stadtväter hatten viel versucht. Doch weder ein totales Alkoholverbot für den Park, noch Geldstrafen brachten die Wende. Auch in der Türkei scheiterten solche Versuche (mehr hier). Statt zu lärmen, zu schreien und ungeniert in die Grünanlagen zu urinieren, helfen Amsterdamer Alkoholiker nun bei der Stadtreinigung aus. Das Übereinkommen ist simpel: Pro Arbeitstag gibt es zehn Euro Lohn. Dazu erhalten die Leute eine halbe Packung Tabak und bis zu fünf Dosen Bier. Letztere werden gestaffelt ausgegeben: Zwei am Morgen, zwei am Mittag und am Abend noch einmal eine. Das berichtet die Huffington Post.

Süchtige unte Kontrolle behalten

Was zunächst befremdlich scheint, macht für die Verantwortlichen aber absolut Sinn. Vor gut einem Jahr wurde die Idee gemeinsam mit Suchtexperten entwickelt. „Das Ziel ist es, sie im Auge zu behalten, ihnen etwas zu tun zu geben und sie so davon abzuhalten weiterhin Ärger im Park zu machen“, sagt Gerrie Holterman, die Leiterin des Rainbow Foundation Projekts. Finanziert wird das Ganze durch das Sozialsystem der Stadt Amsterdam und durch Spenden.

Gearbeitet wird in zwei Gruppen von etwa zehn Personen. Zum Einsatz kommen sie an drei Tagen die Woche. Gestartet wird in der Regel gegen neun Uhr. Vor dem Kehren gibt es jedoch meist erstmal ein bis zwei Bier oder einen Kaffee. Ganz ohne Kontrolle geht es hier allerdings auch nicht zu. Sorgfältig wird der Konsum jedes Teilnehmers überwacht. Das Ganze geschieht jedoch in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Eigenständig tragen sie ihren Verbrauch ein, falls ein Sozialarbeiter einmal nicht vor Ort sein kann. Bis 15.30 Uhr sind sie zugange. Doch sie geben auch zu, dass sie nicht kommen würden, wenn es den Alkohol nicht gäbe.

Stadt, Anwohner und Alkoholiker profitieren

Für Gerrie Holterman handelt es sich dennoch um eine klassische Win-Win-Situation. „Sie sind nicht länger im Park, sie essen besser und sie haben etwas, was sie während des Tages beschäftigt.“ Das Argument: Auch für Heroinsüchtige gebe es schließlich Anlaufstellen. Wieso sollte man Alkoholikern also kein Bier aushändigen? Die Teilnehmer sind jedenfalls froh über die vorgegebenen Strukturen. Allesamt sind sie freiwillig dabei. Auch die Menschen in der Nachbarschaft sind zufrieden. Mit ihrer Arbeit würden sie einen nützlichen Beitrag leisten, anstatt im Park herumzuhängen.

Ob sich die Trinkgewohnheiten der Leute so tatsächlich ändern lassen, darüber gehen die Meinungen selbst bei den Teilnehmern auseinander. Doch Verbote schaffen es erst recht nicht, wie zuletzt in der Türkei deutlich wurde (mehr hier).

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