Neues Briten-Feindbild: Muslime statt Iren

Im Jüdischen Museum Berlin fand eine Diskussion zum Thema Migration statt. Die Migrations-Forscherin Aleksandra Lewicki sagte, dass Muslime das neue Feindbild in der Öffentlichkeit seien. Zuvor waren es die Iren.

Die in Großbritannien lebende und forschende Soziologin Aleksandra Lewicki hat im Rahmen der Podiumsdiskussion „Quo Vadis Migrationspolitik?“ im Jüdischen Museum Berlin gesagt, dass die Muslime in Großbritannien die Iren als Feindbild ersetzt haben.

In diesem Sinne haben „die Iren seit dem Islam-Diskurs aufatmen“ können. Früher standen die sie unter Generalverdacht. Das sei auch der Grund dafür, warum es in Großbritannien keine öffentlichen Mülleimer gebe. Es herrschte die Furcht vor, dass dort Bomben platziert werden könnten. Zuvor hatte die DTN gefragt, ob die Iren und Katholiken in Großbritannien immer noch diskriminiert werden.

Aus einer September-Umfrage des BBC geht hervor, dass ganze 27 Prozent der jungen Briten kein Vertrauen gegenüber ihren muslimischen Mitbürgern haben. Sie glauben, Großbritannien ginge es ohne diese Bevölkerungsgruppe besser (mehr hier).

Lewicki fügte hinzu, dass auch die in Großbritannien lebenden 625.000 polnischen Katholiken keiner Ausgrenzung ausgesetzt seien. Der Katholizismus spielt für die wenigsten Polen im Land eine wichtige Rolle. „Polen, die in ihrer Heimat Kirchengänger waren, gehen in Großbritannien nicht zur Kirche. Dabei gibt es viele polnische Kirchen“, sagte Lewicki den DTN. Viele Polen machen in Großbritannien einen Prozess der Säkularisierung durch. Das sei der Trend innerhalb der gesamten Gesellschaft. Der Gegensatz zwischen Anglikanern und Katholiken sei nicht mehr wichtig innerhalb der öffentlichen Debatte. Es gebe auch öffentliche „politisch korrekte“ Sprachregelungen, die ein Aufflammen von alten Konflikten verhindern.

Im Gegensatz zu Deutschland werde das Thema Migration pragmatisch betrachtet. So gebe es in einigen Ortsteilen Großbritanniens polnische Straßenschilder, da viele Polen kein Englisch sprechen.

In Großbritannien werde Einwanderungs-Politik anders als in Deutschland angegangen.

Lewicki sagt weiter:

„Zum einen gibt es eine Einwanderungsbehörde, die sich mit der Neueinwanderung auseinandersetzt. Zum anderen gibt es ein Ministerium für kommunale Angelegenheiten und öffentliche Selbstverwaltung. Diese setzt sich für alle Einheimischen ein. Auch für Migranten, die ihren Wohnsitz im Land haben.“

Das „Government Equalities Office“ sei für die Gleichstellung von Frauen, Migranten, Homosexuelle und andere Gruppen zuständig.

Großbritannien fasse den gesamten Komplex von Minderheiten sprachlich unter die Begrifflichkeit der „Diversitäts-Politik“ zusammen.

An der Podiumsdiskussion waren neben Aleksandra Lewicki auch CDU-Politikerin Aygül Özkan, Migrations-Forscher Dietrich Thränhardt und SPD-Politiker Miguel Vicente beteiligt. Die Moderatorin war die Historikerin Yasemin Shooman.

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