Sorge um Hamad Abdel Samad: Wurde der deutsch-ägyptische Autor entführt?

Der deutsch-ägyptische Autor Hamad Abdel Samad soll seit Sonntagnachmittag verschwunden sein. Die Meldungen mehren sich, dass der 41-Jährige in Kairo entführt worden sei. Radikale Islamisten hatten im Sommer zum Mord an dem Publizisten aufgerufen.

Die Gerüchteküche brodelt. Der deutsch-ägyptische Autor Hamad Abdel Samad soll am Sonntag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo entführt worden sein. Abdel Samads Bruder sowie sein Freund, der Journalist Walid Malik, sollen die Entführung mittlerweile bestätigt haben. Der Politologe schwebt bereits seit Sommer in höchster Gefahr. Radikale Islamisten hatten zum Mord an ihm aufgerufen.

Losgetreten wurden die Sorgen am Montag von der ägyptischen Zeitung „Youm7“ (hier eine deutsche Übersetzung). In den Beitrag meldet sich Mahmud, der Bruder von Hamad Abdel Samad zu Wort. Er sagt, dass er aufgrund der zahlreichen Morddrohungen nicht ausschließe, dass sein Bruder gegen 16.15 Uhr von militanten Islamisten entführt worden sei.

Auf Verlangen der deutschen Botschaft soll Abdel Samad zuvor vom ägyptischen Innenministerium ein Leibwächter zugewiesen worden sein. Wegen eines besonderen Termins soll er am Sonntag jedoch nicht begleitet worden sein. Da er sich aber seit dem Verlassen seines Hotels im Kairoer Zentrum von einem schwarzen Auto verfolgt fühlte, habe er seinen Personenschutz dennoch telefonisch informiert. Das Fahrzeug soll ihn bis zu seinem Ziel, dem „Azhar Park“ in der Salah Salem-Straße verfolgt haben. Dem Bruder zufolge, habe sich seine Spur dann verloren. Auch auf seinem Handy sei er nicht mehr erreichbar. Die Kairorer Polizei sowie die Deutsche Botschaft seien bereits kontaktiert, die Ermittlungen liefen.

Die Nachricht verbreitete sich daraufhin in Windeseile. Nachdem sie der bekannte marokkanische Blogger Kacem El Ghazzali auf seiner Facebook-Seite aufgegriffen hatte, meldete sich auch der Journalist und Autor Walid Malik zu Wort. Er bestätigte die Entführung via Twitter:

Unterdessen wurde bereits eine Petition ins Leben gerufen, in der die deutsche und die ägyptische Regierung zum Handeln aufgefordert werden. Darin wird das Schlimmste befürchtet: „Abdel-Samad schwebt in unmittelbarer Lebensgefahr.“ Bisher gibt es fast 600 Unterzeichner (Stand 10.10 Uhr).

Im vergangenen Sommer gab es in Ägypten öffentliche Mordaufrufe gegen den deutsch-ägyptischen Publizisten und Islamkritiker Hamed Abdel-Samad. Der Vorwurf: Er soll sich  herablassend über den Islam und seinen Propheten geäußert haben. In einer Sendung des TV-Senders Al-Hafes hatten Assem Abdel Maged, ein führendes Mitglied der radikalen ägyptischen Gruppe Al-Gamaa Al-Islamija, und der Salafist Mahmud Schaaban den deutsch-ägyptischen Politologen zum „Ungläubigen“ erklärt (mehr hier). Abdel Samed soll  im Rahmen eines Vortrags der„Säkularen Bewegung“ in Kairo die Muslimbrüder in Ägypten für die Ausbreitung des „islamischen Faschismus“ verantwortlich gemacht haben (mehr hier). Abdel Samad war darauf hin abgetaucht.

Der Sohn eines ägyptischen Imams ist einem breiten deutschen Publikum an der Seite von Henryk M. Broder in der Fernsehserie „Entweder Broder – Die Deutschland-Safari“ bekannt. Er kam bereits mit 23 Jahren nach Deutschland und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft.

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