Sieg für türkischen Begriff: „Babo“ ist „Jugendwort des Jahres 2013“

Nach Yolo, Swag, Niveaulimbo, hartzen und Gammelfleischparty steht nun ein türkischer Begriff ganz oben in der Beliebtheitsskala der deutschen Jugendlichen. Babo lautet das „Jugendwort des Jahres 2013“. Dass sich ausgerechnet ein türkischer Begriff derart im Wortschatz der jungen Leute etabliert hat, ist jedoch kein Grund zur Sorge. Im Gegenteil zeugt er von einer gelungenen Integration.

Für Boss, Anführer oder auch Chef benutzen Jugendliche hierzulande offenbar am liebsten ein türkisches Wort. Babo steht ganz oben auf der Beliebtheitsskala und schafft es in diesem Jahr sogar zum „Jugendwort des Jahres 2013“.

Wie Grenzen sich junge Leute durch ihre Sprache von der Erwachsenenwelt ab? Welche Begriffe sind bei ihnen besonders beliebt? Seit 2008 interessieren sich die Langenscheidt GmbH & Co. KG, die Jugendmesse YOU, die Jugendzeitung YAEZ und die Zeitschrift Mädchen für den Sprachgebrauch der heranwachsenden Generation. In diesem Jahr schafft es nun erstmals ein türkischer Begriff auf die Poleposition. Babo kann sich gegen fame (toll, super, berühmt), gediegen (super, cool, lässig), in your face (Dir hab ich’s gegeben! Da hast Du’s!), und Hakuna matata ((Es gibt) kein Problem. Alles klar.) durchsetzen.

Jugendliche und Jury entscheiden

Jahr für Jahr werden die Jugendlichen dazu aufgerufen, auf www.jugendwort.de ihre Lieblingswörter einzureichen und darüber zu diskutieren. Ab Mitte des Jahres stehen den Usern dann 30 Wörter zur Abstimmung zur Verfügung. Stichtag hierfür ist der 31. Oktober. Anfang November werden die 15 „Besten der Besten“ dann einer Jury zur Entscheidung vorgelegt. Mit den Einsendungen beschäftigt sich allerdings keine ergraute Runde von Sprachwissenschaftlern, sondern „Menschen jeden Alters, die sich auf ganz unterschiedliche Art mit Sprachen beschäftigen“. Bewertet werden die Top 15 von ihnen hinsichtlich ihrer sprachlichen Kreativität, ihrer Originalität, dem Verbreitungsgrad des Wortes sowie in Bezug auf gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse.

Zeichen für gelungene Integration

Wer in Anbetracht des Jugendwortes 2013 allerdings die Nase rümpft, der sei an dieser Stelle darauf hingewiesen: Eine gemeinsame „Multi-Kulti-Sprache“ ist in der Tat ein Zeichen für eine gelungene Integration. Das haben Wissenschaftler der Universität Potsdam bereits 2012 herausgefunden. Immer mehr deutsch-sprachige Jugendliche haben sich bei ihren Kumpeln aus der dritten Generation der türkischen Einwanderer Slang-Ausdrücke abgeguckt und bauen sie in ihren tägliche Sprachgebrauch ein. Am häufigsten fließen türkische Jugendausdrücke in die deutsche Sprache in Berlin (mehr hier).

Das haben auch die Behörden erkannt. Erst Ende Oktober erteilten die Kultusminister der Deutschpflicht auf den Schulhöfen eine Absage. Eine flächendeckende Deutschpflicht während der Pausen wird es also auch in Zukunft nicht geben (mehr hier). Entgegen häufiger Vorurteile sprechen die meisten Grundschulkinder mit Migrationshintergrund zuhause ohnehin Deutsch.

Code-Switching offenbart Schwächen in beiden Sprachen

Meistens bleibt es jedoch nicht nur bei der Einflechtung einzelner Wörter wie zum Beispiel Babo. Problematisch wird die Angelegenheit bei vielen jungen türkischen Mädchen und Buben der dritten Generation in Deutschland, die  ein besonderes Muster an den Tag legen. Sie beginnen den Satz in einer, beenden ihn aber in der anderen Sprache. Zum Beispiel:  “Ich hab’ bir buçuk saat Sport gemacht” (Ich habe für eineinhalb Stunden trainiert). Oder: „Handy’mi evde unutmuşum“ (Ich habe mein Handy zuhause vergessen). Dieses Code-Switching ist durchaus kritisch zu sehen. Offenbart es doch, dass die Kinder Schwächen in beiden Sprachen aufweisen (mehr hier).

Nach Einschätzung von Katarina Wagner vom Zentrum für Mehrsprachigkeit an der Universität Köln kann dieses Verhalten zu einem Nachteil werden, wenn es die jungen Menschen daran hindert, sich in beiden Sprachen korrekt auszudrücken. Kinder, die mit beiden Sprachen aufwachsen, sollten daher größtmögliche Unterstützung erfahren, ihre Fähigkeiten in beiden Sprachen auszubilden. Und das so früh wie möglich. Sie rät zuhause Türkisch mit den Kleinen zu sprechen, sie aber auf der anderen Seite so früh wie möglich in den Kindergarten zu schicken. Ähnlich sieht das auch der Linguist Peter Auer. Für ihn bietet eine Zweisprachigkeit viele wunderbare Möglichkeiten. In beiden Sprachen gleich stark zu sein, hält auch er für machbar. Hierzu sei jedoch auch eine entsprechende Umgebung erforderlich, die es den Kindern erlaubt, beide zu trainieren. Er sieht die Lösung in zweisprachigen Schulen.

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