Abschließender Bericht: Das ist das Profil der Gezi-Park-Proteste

Die türkischen Sicherheitsbehörden haben zu den Gezi Park Protesten des vergangenen Sommers einen umfassenden Report veröffentlicht. Enthalten sind zahlreiche Statistiken, die unter anderem Aufschluss über die Zusammensetzung der Demonstranten geben. Und die zeigen vor allem eines: Auf die Straße gingen in erster Linie junge, gut ausgebildete Leute.

Die türkischen Behörden haben eine umfassende und detaillierte Analyse der Anti-Regierungs-Proteste des vergangenen Sommers geliefert. Als Grundlage zogen sie die während dieser Zeit verhafteten Personen heran.

Im Rahmen der landesweiten Gezi-Park-Proteste fanden mehr als 5.500 Demonstrationen und andere Aktivitäten statt. Insgesamt hielten die Unruhen von Ende Mai an ganze 112 Tage an. Das berichtet die türkische Zeitun Milliyet.

Mehrheit der Verhafteten waren Aleviten

Aufschluss gibt der Bericht unter anderem über die Zusammensetzung der Demonstraten. Herangezogen wurden dafür die Daten von mehr als 5000 verhafteten Personen, um so das Profil einer ganzen Bewegung zu bestimmen. Demzufolge waren rund 78 Prozent  der verhafteten Personen Aleviten (mehr hier).Auf der anderen Seite hatten nur zwölf Prozent der Verhafteten eine Verbindung zu politischen Parteien. Sechs Prozent von ihnen konnten extremistischen linken Gruppen zugeordnet werden. Vier Prozent wurde vorgeworfen, mit terroristischen Organisationen zusammen zu arbeiten.

Rund 3,6 Millionen Menschen nahmen während des Sommers an Demonstrationen teil. Dabei kam es zu  5.513 Verhaftungen in 80 Provinzen. Die Schwarzmeer-Provinz Bayburt war die einzige, in der keine Proteste stattfanden.

Viele Studenten und Hochschulabsolventen

Die von der Polizei durchgeführte demographischen Analyse ergab zudem, dass gut die Hälfte aller festgenommenen Demonstranten Frauen waren. Gut 15 Prozent hatten die Grund- bzw. eine weiterführende Schule besucht. Ein Viertel war auf dem Gymnasium.   Mehr als die Hälfte von ihnen haben eine Hochschulbildung genossen: 25 Prozent von ihnen waren Universitätsabsolventen und 36 Prozent von ihnen studierten  noch.

Das Profil der jungen Demonstranten wurde auch durch die Polizeiakten bestätigt. 56 Prozent der Inhaftierten waren zwischen 18 und 25 Jahren und 26 Prozent von ihnen zwischen 26 und 30 Jahre alt. Nur ein Prozent sei über 40 Jahre alt gewesen. Die Proteste rund um den Gezi-Park sind so zu einem Symbol einer jungen, wachsenden und starken Zivilgesellschaft in der Türkei geworden. Sie will nicht nur alle fünf Jahre wählen, sondern an den Entscheidungsprozessen im Land teilnehmen. Beobachter werten das als einen wichtigen Beweis für den demokratischen Willen der Türkei. (mehr hier).

Schäden in Millionenhöhe

Aufschluss gibt der Bericht außerdem über die Einkommensverhältnisse der Protestierenden. 39 Prozent gaben demnach an, dass ihr Gehalt bis zu 499 Lira betrage. 15 Prozent setzten ihr Einkommen zwischen 500 und 999 Lira an. Weitere 31 Prozent lagen zwischen 1000 und 1999 Lira. Ein Fünftel von ihnen erklärte, dass sie mehr als 2000 Lira im Monat verdienten.

Im Zuge weiterführender Ermittlungen seien noch einmal 189 Personen verhaftet worden. 4.329 Menschen, darunter 697 Polizisten, wurden verletzt und fünf Menschen sind gestorben. Der geschätzte Schaden soll sich auf 139 Millionen Lira belaufen. Gut die Hälfte dieses Betrages gehe mit 74 Millionen zu Lasten der Geschäftsleute. Allein die Schäden an Polizeifahrzeugen sollen sich auf 15,5 Millionen Lira belaufen haben. Zehn weitere Millionen mussten die Gemeinden für ihre Fahrzeuge und zerstörte Infrastruktur ansetzen.

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