Kindergarten in Neckarstadt-West: Erste muslimische Kombi-Einrichtung in Deutschland öffnet im Dezember

Der Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-West ist demnächst um eine ungewöhnliche Einrichtung reicher. In der Kleestraße öffnet ab dem 4. Dezember ein muslimischer Kindergarten. Das Besondere: Angschlossen ist auch ein Tagesstätte unter städtischer Trägerschaft. Doch Vorbehalte gibt es nach wie vor.

Bereits im Jahr 2010 hatte der Gemeinderat beschlossen, eine Kindertagesstätte unter muslimischer gemeinsam mit einer Kinderkrippe unter städtischer Trägerschaft zu errichten. Nach drei Jahren Planungen, Änderungen und Vorbereitungen ist es nun soweit. Anfang Dezember wird die Einrichtung ihrer Bestimmung übergeben. Insgesamt 60 neue Plätze sind entstanden.

Die in Deutschland einzigartige Kombilösung aus DITIB-Kindergarten und städtischer Krippe ist in einem für 2,75 Millionen Euro errichteten Neubau untergebracht. Das Kinderhaus befindet sich in der Kleestraße, im Mannheimer Stadtteil Neckarstadt-West. Unter einem Dach gibt es hier eine Krippe mit 20 Plätzen, aufgeteilt in zwei Gruppen, unter städtischer Trägerschaft. Daneben gibt es einen Kindergarten in Trägerschaft des im Februar 2007 gegründeten „Vereins zur Gründung und Erhaltung muslimischer Kindergärten e.V.“. Er hält wiederum 40 Plätze in zwei Gruppen bereit. Das berichtet das regionale Nachrichtenportal morgenweb.

Förderung der deutschen Sprache und Elternarbeit

Die beiden Einrichtungen wollen sich in Zukunft aber nicht nur das Gebäude teilen, sondern offenbar auch fachlich kooperieren. Nach Angaben der Stadt orientiere sich das Konzept des muslimischen Kindergartens eng an dem in Baden-Württemberg geltenden Orientierungsplan für Bildung und Erziehung in Kindergärten. Oberste Priorität liegt demnach auf der Stärkung des Bildungsweges der Kleinen. Erreicht werden soll das über eine intensive Förderung der deutschen Sprache sowie eine entsprechende Elternarbeit.

Völlig ohne Vorbehalte verlief die Umsetzung des Projekts allerdings nicht. Dass der Träger des muslimischen Kindergartens zum Dachverband „Türkisch Islamische Union der Anstalt für Religion e.V.“ (DITIB) gehört und damit dem türkischen Staat nahesteht, sei nicht nur bei der Evangelischen Kirche, sondern auch bei einigen Lokalpolitikern auf Kritik gestoßen. Eine ursprünglich vorgesehene Passage der Satzung wurde darauf hin gestrichen. Die DITIB-Mitgliedschaft der Eltern ist nicht mehr zwingend erforderlich. Zweifel gebe es zudem an den Integrationsabsichten des Vereins. Demzufolge wird nun offenbar genau beobachtet, ob es auch gelingt, nicht-muslimische Kinder für die Einrichtung zu gewinnen. Etwa wie im muslimischen Kindergarten „Al Nur“ in Mainz.

Großes Interesse am Kindergarten

Mannheim hat im Augenblick einen Anteil von zehn Prozent muslimischen Bürgern. Das Interesse am ersten Kindergarten des türkischen Dachverbandes DITIB sei nach eigenen Angaben schon jetzt groß. Aufgenommen werden Kinder zwischen drei und sechs Jahren. Auf die Erlaubnis zum Bau musste die DITIB fünf Jahre warten. Die Genehmigung erteilte der Bildungsausschuss des Mannheimer Stadtrats mit drei Gegenstimmen der CDU.

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