2,5 Jahre in türkischer Haft: Holländer wird von den Behörden vergessen

Seit rund zweieinhalb Jahren sitzt ein niederländischer Staatsbürger in einem türkischen Gefängnis. Nach wie vor wartet er auf eine Entscheidung der Behörden. Fast scheint es, als seien seine Akten untergegangen. Doch tatsächlich arbeiten die Mühlen der Justiz offenbar nur erschreckend langsam.

Bereits im Jahr 2011 wurde der Holländer Jamal S. am Istanbuler Atatürk Flughafen festgenommen. Zugrunde lag damals ein Haftbefehl gegen ihn wegen einer Straftat, die er mit 17 Jahren begangen haben soll. Der junge Mann, der eigentlich gerade in die Niederlande zurückkehren wollte, wurde in Gewahrsam genommen. Und dort sitzt er bis heute.

Ursprünglich sollte er nur „vorübergehend“ in einem türkischen Gefängnis sitzen und dann nach Holland abgeschoben werden, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Nun sitzt er jedoch nach wie vor im Maltepe Gefängnis in Istanbul ein. Der Grund: Die Entscheidung muss noch vom Kabinett unterzeichnet werden.

In den Augen von Jamal S. ist das ein unhaltbarer Zustand. In einem Brief hat er sich bereits an die türkischen Medien gewandt. Darin merkt er an, dass man ihn maximal sechs Monate hätte festhalten dürfen und dann hätte abschieben müssen. Auch das Verfassungsgericht rief er an.

Kabinett lässt sich mit Unterzeichnung Zeit

Vorgeworfen wird ihm eine „bewaffnete Plünderung“ und der Gebrauch einer fremden Kreditkarte. Auf der Flucht verschlug es ihn dann in die Türkei, wo ihn die Polizei am 25. Februar 2011 am Atatürk Flughafen aufgriff. Bereits am 18. März entschied dann ein Istanbuler Gericht, dass seine Bitte, nach Holland zurückzukehren „akzeptabel“ sei. Am 10. August wurde die Entscheidung dem Kabinett vorgelegt. Dort wurden die entsprechenden Dokumente aber offenbar bis heute nicht unterzeichent. Am 30. April dieses Jahres erhielt Jamal S. Antwort aus dem Justizministerium. Man ließ ihn wissen, eine Entscheidung sei noch immer „anhängig“.

Dass juristische Prozesse in der Türkei manchmal extrem lange dauern können, ist ein altbekanntes Problem. Besserung versprach der Justizminister bereits Anfang 2012 (mehr hier).

Sein Anwalt Hasan Alıcı erinnerte daran, dass Jamal S. ursprünglich nicht von einem türkischen Gericht verurteilt worden war. Zudem sei er zum Zeitpunkt der Straftat unter 18 Jahre gewesen. Dass er dafür also tatsächlich in ein Gefängnis gewandert wäre, hält er für unwahrscheinlich. Eher wäre in diesem Fall ein Wiedereingliederungsprogramm infrage gekommen, meint auch Jamal S., der nun immerhin fließend Türkisch spricht.

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