Demographische Krise: Putin verbietet Werbung für Abtreibungen

Der russische Präsident Wladimir Putin stellt sich aktiv gegen die zunehmende Zahl an Abtreibungen in Russland. Nun hat er Novellen zum Werbegesetz unterzeichnet, die Reklame für Abtreibungen verbieten. Das Land steckt in einer demographischen Krise. Zwar gehen die Geburtenzahlen aktuell nach oben. Langfristig sieht es aber düster aus.

Mit einem Werbeverbot für Abtreibungen will der russische Präsident Wladimir Putin offenbar der zunehmenden Zahl an Schwangerschaftsabbrüchen begegnen. In Russland kam 2012 auf zwei Geburten eine Abtreibung. Die Bevölkerung wird immer älter. Nicht zum ersten Mal schielte er auf der Suche nach einer Lösung in Richtung Türkei.

Mit der Unterzeichnung von Novellen zum russischen Werbegesetz hat Präsident Putin den Weg für ein Werbeverbot für Abtreibungen frei gemacht. Verschärft werden außerdem die Anforderungen an die Werbung für Volksmedizin. Das berichtet das russische Nachrichtenportal RIA Novosti.

Gesundheitsministerium bemüht sich um Mütter in der Krise

Den russischen Behörden zufolge, seien allein im Jahr 2012 fast eine Million Abbrüche vorgenommen worden. Auf 100 Geburten in Russland entfielen im Schnitt 49,7 Abtreibungen. Zwar gehen die Zahlen seit Jahren zurück, 2004 waren es noch gut 1,6 Millionen, dennoch sind sie nach dem Geschmack des russischen Gesundheitsministeriums immer noch viel zu hoch. Wie Jelena Baibarina, Leiterin des Ressorts Pädiatrie und Geburtenhilfe des Gesundheitsministeriums, mitteilt, werde sich daher intensiv um eine Reduktion bemüht. Der Fokus liege auf Frauen, die sich in einer Krisensituation befänden. „Momentan entwickelt sich ein Netz von Zentren der psychologischen und sozialen Hilfe. Ein beachtlicher Teil der Frauen, die sich an diese Zentren gewandt haben, entschließen sich danach, ihr Kind zu behalten“, zitiert RIA Novosti Baibarina.

Ein Problem sind überdies die vielen illegalen Abtreibungen, die vor allem in den Provinzen stattfinden. Wie die Russische Gesellschaft für Geburtshilfe und Frauenärzte bereits im Jahr 2010 warnte, werde bei 25 Prozent der Fälle der offiziell erfassten Muttersterblichkeit in Russland die illegale Abtreibung als Todesursache genannt.

Russland hat zu wenige Kinder

Doch nicht nur die Gesundheit der Frauen hat die Politik im Blick. Russland steht vor einer handfesten demographischen Krise. Zwar ziehen die Geburtenzahlen in jüngster Zeit wieder an. Doch Fachleute fürchten, dass dieser Trend in den kommenden Jahren wieder nachlassen wird. Sobald die geburtenstarken Jahrgänge Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre aus dem entsprechenden Alter heraus sind.

Entsprechend sorgt sich Putin um die demographische Entwicklung seines Landes. Um die Überalterung der russischen Gesellschaft und einem langfristigen Bevölkerungsrückgang zu entgehen, rief er die Familien bereits zu Beginn seiner dritten Amtszeit in seiner ersten Regierungserklärung dazu auf, sich für ein drittes Kind zu entscheiden. Damit zog er Ende 2012 gleich mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan (mehr hier).

Auch Erdoğan appellierte in der Vergangenheit bereits mehrmals an die türkische Öffentlichkeit, mindestens drei Kinder zu haben. Zuletzt sprach er sogar von vier (mehr hier). Zudem tat er sich als entschiedener Abtreibungs- und Kaiserschnittgegner hervor. Zu einem faktischen Verbot, wie er es im Sommer 2012 forderte, kam es dann allerdings nicht. Die Mehrheit der türkischen Bevölkerung stand in dieser Sache nicht hinter ihrem Premier und lehnte diese Bestrebungen lautstark ab (mehr hier).

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