Höhere Renditen und keine Euro-Krise: Deutsch-Türken bringen ihr Geld in der Türkei in Sicherheit

Deutsch-Türken - aber auch immer mehr Deutsche - verlagern ihre Altersvorsorge in die Türkei. Dort gibt es neben guten Renditen keine Gefahren von Banken-Zwangsabgaben und Euro-Krise. Davon profitiert hauptsächlich die Börse in Istanbul.

Deutsche und Deutsch-Türken haben in den vergangenen Monaten vermehrt Aktien an der türkischen Börse in Istanbul gekauft.

Im Gespräch mit den DTN sagte der Leiter der Kapitalmarkt-Analyse der Baader Bank, Robert Halver, dass der Aktienkauf hauptsächlich der Altersvorsorge diene. Dabei investieren die Anleger keine großen Summen. Es gehe um kleine, aber regelmäßig ausgegebene Summen.

Das sei eine „gute Strategie“, um vorzusorgen. Millionen-Geschäfte werden von beiden Gruppen nicht gemacht. Langfristigkeit und weitgehende Sicherheit stehen im Vordergrund, so Halver. Denn der Euro vernichtet in großem Maße die Vermögen der EU-Bevölkerung (mehr hier). Der Zugriff auf das Sparvermögen von Bank-Kunden nimmt immer konkretere Gestalt an (mehr hier).

Havler sagt weiter:

„Viele Deutsche haben durch Bekannte oder Verwandte einen direkten Kontakt in die Türkei. Das ist wichtig. Man kann das Interesse auch auf den Spruch `Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht´ reduzieren. Die Deutschen sind mittlerweile gute Türkei-Kenner und kennen sich dort sowohl wirtschaftlich als auch kulturell aus. Sie können Risiken und Chancen gut einschätzen. Zudem sind entgegen allen Behauptungen Deutsch-Türken und Deutsche sehr stark vernetzt. Sowohl familiär als auch geschäftlich.“

DW-Reporter Ahmet Günaltay sagte den DTN, dass auch die Niedrigzins-Politik der EZB das Interesse an der Istanbuler Börse wecke. „Für viele Investoren lohnt es sich nicht, das Geld auf den Bankkonten liegen zu lassen. Höhere Renditen versprechen sie sich in der Türkei“, so Günaltay.

ICF Kursmakler Ivo Orlemann schließt sich Günaltays Erklärung an. Die Türkei ist nicht direkt betroffen von der Krise im Euro-Raum. Hinzu komme die Angst vor dem Verlust der eigenen Vermögenswerte. Anleger versuchen in die Türkei auszuweichen.

Orlemann erklärt weiter:

„In den vergangenen Jahren ist die Istanbuler Börse gut gelaufen. Doch sie ist traditionell großen Schwankungen unterworfen. Es gibt immer wieder sowohl viele Aktien-Käufe als auch Aktien-Verkäufe. So gab es Papiere, die an einem Tag um 20 Prozent abgestürzt sind. Auffällig ist, dass es in den vergangenen Wochen große Umsätze an der Istanbuler Börse gab.“

In Deutschland könnte es auch Großinvestoren verstärkt in die Türkei ziehen. Ein Sprecher des Deutschen Fondsverbands (BVI) sagte den DTN, dass die 76 BVI-Mitglieder über ein aktuelles Anlagevermögen in Höhe von zwei Billionen Euro verfügen. Davon sind 700 Milliarden Euro in Publikumsfonds investiert.

Etwa 80 Milliarden Euro fallen auf offene Immobilienfonds, 164 Milliarden Euro sind in Rentenfonds, 255 Milliarden Euro in Aktienfonds und 132 Milliarden Euro sind in Mischfonds investiert. Die Investitionen sind gestreut über mehrere internationale Kapitalmärkte und Börsen.

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