Türkische Seifenopern: Mega-Erfolg in Pakistan kommt nicht bei allen gut an

Türkische Produktionen wie das Historienformat „Das prächtige Jahrhundert“, erfreuen sich in Pakistan großer Beliebtheit. Die hiesigen TV-Anstalten können sich aus einem geradezu unerschöpflichen Fundus bedienen. Und das zu äußerst günstigen Konditionen. Die heimische Filmindustrie sieht das gar nicht gern, streng konservative Politiker noch viel weniger.

Der Siegeszug türkischer TV-Serien in Pakistan wird nicht von allen begrüßt. Während die Zuschauer vor den Fernsehgeräten den spannenden Geschichten nachhängen, fürchten pakistanische Schauspieler und Politiker sowohl um die heimische Filmindustrie als auch die konservativen islamischen Werte des Landes.

Kritik schlägt den türkischen Serienmachern vor allem wegen der Optik mancher Darstellerinnen entgegen. Denn die dort gezeigten Miniröcke und freizügige Dekolletés haben wenig mit den hochgeschlossenen Roben der meisten pakistanischen Frauen gemein, die kaum Haut zeigen.

Pakistanische Produktionen sind bescheiden

Die Sendungen, die Pakistan im Laufe des vergangenen Jahres im Sturm erobert haben, bergen jedoch nicht nur optische Ärgernisse. Die türkischen Formate sind die neue, knallharte Konkurrenz für heimische Produktionen. Für lokale TV-Sender, private Fernsehsender sind übrigens erst seit 2000 zugelassen, sind die türkischen Daily Soaps überaus attraktiv, berichtet die Centre Daily Times. Im Einkauf seien sie deutlich günstiger als die pakistanischen Dramen. Darüber hinaus würden die türkischen Formate auch noch über aufwendigere Kostüme und Sets verfügen.

„Es ist eine große Herausforderung“, so der bekannte pakistanische TV-Star Abid Ali. „Die türkischen Shows haben sehr aufwendige Produktionen, die sich unsere Branche nicht leisten kann.“ In seinem Land kommen ganze Episoden schon mal mit einem Wohnzimmer als Kulisse aus. Auch hinter den Kameras, wenn es überhaupt mehrere gibt, geht es oft eng zu. Oftmals wirken Produktion sehr improvisiert.

Türkische Serien: Frisch, schön und neu

Eine der beliebtesten Seifenopern in Pakistan ist „Das prächtige Jahrhundert“ („Muhteşem Yüzyıl“).

Die Sendung hatte bis vor kurzem sogar eine deutsch-türkische Hauptdarstellerin (mehr hier). Das Historienformat ist aufwendig und mit viel Liebe zum Detail produziert, rief Ende 2012 aber auch den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan auf den Plan. Er wollte die Sendung unter anderem wegen vermeintlich mangelnder Faktentreue sogar verbieten (mehr hier). Für Athar Waqar Azeem, Vize-Präsident von Hum TV, gibt es zahlreiche Gründe, warum diese Serien beim pakistanischen Publikum so gut ankommen. Ausschlaggebend seien seiner Ansicht nach vor allem die frischen, neuen und schöneren Orte, aber auch die neuen Gesichter. Nichtsdestotrotz würde die Ausstrahlung einer türkischen Folge in Pakistan nur etwa 2500 Dollar kosten. Für eine heimische Produktion müsste in etwa das Vierfache gerechnet werden, so Azeem weiter. Ein Totschlagargument für jeden TV-Manager.

Sorge vor Unterwanderung der Industrie und Kultur

Kritisch beäugt werden die türkischen Produkte auch von der pakistanischen Politik. Schon Ende 2012 trug der Senatsausschuss für den Informations- und Rundfunkbereich seine Sorge vor, dass sie die heimische Filmindustrie und vor allem ihre Inhalte die kulturellen Normen des Landes unterwandern würden. In Sorge über im TV ausgestrahle „Obszönitäten“ zeigte sich außerdem der Oberste Gerichtshof Pakistans. Ausdrücklich ging es hier um in Indien anderen Nachbarstaaten produzierte Sendungen. Zwar drücken die Zensoren zuweilen mehr als ein Auge zu, gerade im Nahen Osten (mehr hier), in einigen Fällen wird bei einem zu tiefen Ausschnitt dann aber doch eingeschritten. Das pakistanische Publikum ist da weitaus entspannter. Miniröcke bei einheimischen Schauspielerinnen wären nicht akzeptabel. Türkische Schauspielerinnen erlangen durch ihre Outfits jedoch noch größere Popularität, sagt der pakistanische TV-Star Javeria Abbasi.

Neben den pakistanischen Zuschauern gibt es jedoch mindestens eine Zunft, die sich mit ihnen über das Auftauchen der türkischen Serien im TV freut: Die Off-Sprecher, die die Episoden aus dem Türkischen ins Urdu übertragen. Königlich ist die Bezahlung mit 20 bis 40 Dollar pro Folge für acht Stunden Arbeit zwar nicht. Doch immerhin reicht das aus, um in Pakistan ein Leben zu führen. Mit dem Aufkommen der türkischen Daily Soaps ist für sie endlich genügend Arbeit vorhanden. Ein Dahinfristen zwischen kleinen Werbeaufträgen ist für viele von ihnen Geschichte.

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