International Press Freedom Award 2013: Türkischer Journalist in New York ausgezeichnet

Der bekannte Journalist Nedim Şener hat für seine Arbeit in der türkischen Presse in diesem Jahr den Press Freedom Award des des Committee to Protect Journalists (CPJ) verliehen bekommen. Gewürdigt wurde die Leistung des Reporters, sich gegen eine Vielzahl von Widrigkeiten und Herausforderungen behauptet zu haben, die der Beruf in seinem Heimatland mit sich bringt. Auch jetzt drohen ihm 15 Jahre Gefängnis.

Gemeinsam mit der ecuadorianischen Reporterin Janet Hinostroza, dem Ägypter Bassem Youssef und dem Vietnamesen Nguyen Van Hai wurde dem türkischen Journalisten Nedim Şener in New York der diesjährige International Press Freedom Award 2013 überreicht. Das Quartett erhielt die Auszeichnungen für ihre Arbeit angesichts der schweren Repressalien, die ihrer Zunft in der Heimat entgegenschlagen.

Der bereits mehrfach ausgezeichnete Şener hat den Druck auf Journalisten in der Türkei am eigenen Leib wiederholt zu spüren bekommen. Immer wieder wurden Anklagen gegen ihn erhoben. Zuletzt verbrachte er ein Jahr im Gefängnis. Im März 2011 war er wegen angeblicher Unterstützung des Geheimbundes Ergenekon angeklagt worden. Erst im März 2012 kamen er und Ahmet Şık wieder frei. Ihre Verhaftung hatte zu internationalen Protesten geführt (mehr hier). Derzeit befindet er sich zwar auf freiem Fuß. Doch nach wie vor drohem ihm 15 Jahre Haft.

So viele Journalisten in Haft wie nirgends sonst

„Die Türkei bricht alle Rekorde. Derzeit befinden sich 60 Journalisten im Gefängnis, denen vorgeworfen wird, Terroristen zu sein. Das sind mehr als irgendwo sonst auf der Welt“, zitiert die türkische Zeitung Zaman Şener. Erst vor kurzem seien gegen einige Kollegen lebenslange Haftstrafen verhängt worden. Solchen Dingen dürfe man nicht gleichgültig gegenüberstehen. Man müsse deren Freilassung fordern.

In der Türkei herrsche zwischen Journalisten und Politikern kein Konsens über die Bedeutung von Demokratie. Letztere würden sie nur durch das Prisma der Wahlurne und Wahlen betrachten. „Für Politiker bedeutet Demokratie den Menschen zu erlauben, alle vier Jahre wählen zu gehen. Für Journalisten ist die Demokratie eine alltägliche Erfahrung. Und die Essenz dieser Erfahrung ist das Recht des Volkes informiert zu werden.“ Es sei kein Zufall, dass ein autoritäres Regime zuerst die Presse zum Schweigen bringe.

Şener beobachtet Selbstzensur in der Türkei mit Sorge

Wie seinem Kollegen Can Dundar bereitet auch ihm die zunehmende Selbstzensur der Häuser Sorge (mehr hier). So hätten die Gezi Park-Proteste des vergangenen Sommers deutlich die Krise gezeigt, in der die Pressefreiheit des Landes derzeit stecke. 30 Journalisten seien verletzt worden, viele seien festgenommen worden. Dutzende hätten ihre Jobs wegen ihrer Gezi-Berichterstattung verloren. Ein viel größeres Problem sei jedoch gewesen, dass viele Medien den Protesten überhaupt keine Beachtung geschenkt hätten. Selbst, wenn die Ausschreitungen direkt vor ihren Fenstern stattgefunden hätten. Und das seiner Ansicht nach aus Angst vor offiziellen Auswirkungen.

Şener wurde im Jahr 1966 in Deutschland geboren. Seine Karriere begann er Anfang der 90er Jahre bei İlkhaber. Es folgte eine kurze Episode bei der Dünya. Seit 1994 arbeitet er bereits für die Milliyet. Darüber hinaus sind bisher 14 Bücher entstanden. Seinen Preis widmete er dem 2007 ermordeten Kollegen Hrant Dink (mehr hier).

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