Vorstands-Posten in Deutschland: Männer werden befördert, Frauen werden gefördert

Frauen in Deutschland sind in zahlreichen Bereichen unzureichend vertreten. Auch in den Firmenvorständen des Landes finden sich nur wenige von ihnen. Dabei sind „gemischte“ Vorstände erfolgreicher als „ungemischte“. Das jedenfalls geht aus den Umsätzen und Gewinnen von Unternehmen hervor.

Auf der Diversity Konferenz 2013 in Berlin haben eine Reihe von Referenten aus Wirtschaft und Forschung den geringen Frauenanteil in Deutschlands Vorständen beklagt.

Die Wirtschaftsprüfungs-Gesellschaft Ernst & Young hatte dazu im vergangenen Jahr eine Studie veröffentlicht. Die Studie trägt den Titel „Mixed Leadership“. Untersucht wurde der Frauenanteil in Vorständen von 290 Unternehmen. So soll der Anteil der weiblichen Mitglieder in Deutschlands Vorständen zwischen 2005 und 2010 von fünf auf acht Prozent gestiegen sein. In absoluten Zahlen waren 2005 insgesamt 103 von 2.150 Vorstandsmitgliedern weiblich. 2010 waren 178 von insgesamt 2.262 Vorstandmitgliedern weiblich.

Im europäischen Vergleich ist Deutschland im Bereich der weiblichen Vorstands-Mitglieder noch ein „Entwicklungsland“. Die meisten weiblichen Vorstandsmitglieder gibt es in Finnland (12 Prozent), Schweden (15 Prozent) und Irland (28 Prozent). In der Türkei sind 26 Prozent aller Personen im Top-Management Frauen (mehr hier).

Ein weiterer wichtiger Befund der Studie ist, dass die Unternehmen mit weiblichen Vorstandmitgliedern sich „im Zeitraum 2005 bis 2010 bei den Kennziffern „Umsatz“ und „Gewinn“ besser entwickelt“ haben als „ohne weibliche Vorstandsmitglieder“. Auch beim „Börsenwert“ der jeweiligen Unternehmen gab es eine bessere Entwicklung. Dieser Befund betrifft Unternehmen, die sich nicht im Rohstoff- oder Energiesektor betätigen.

Hierbei wiesen Unternehmen mit weiblichen Mitgliedern zwischen 2005 und 2010 eine Umsatzsteigerung von 44 Prozent auf. Doch Frauen mit weiblichen Vorstandmitgliedern erzielten eine Umsatzsteigerung in Höhe von 64 Prozent.

Ana-Cristina Grohnert, Mitglied der Geschäftsleitung bei Ernst & Young, sagte den DTN:

„Die Studie ist der größte europäische Vergleich zum wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens aus dem Blickwinkel der Geschlechterverteilung in den Vorständen. Gemischte Teams sind durchschnittlich erfolgreicher als reine Männer- oder Frauen-Teams.“

Frau Grohnert ist auch Vorstandsvorsitzende der Charta der Vielfalt e.V. Die Charta der Vielfalt ist eine Unternehmens-Initiative, die sich im Bereich des Diversity Managements einsetzt. In der Charta heißt es:

„Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen Wertschätzung erfahren – unabhängig von Geschlecht, Rasse, Nationalität, ethnischer Herkunft, Religion oder Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexueller Orientierung und Identität.“

Die Charta wurde bisher von 7000 deutschen Unternehmen unterschrieben. Sie wird als Selbstverpflichtung der Unternehmen verstanden. Schirmherrin der Charta der Vielfalt ist Angela Merkel.

Die Charta der Vielfalt in türkischer Sprache – hier.

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