Türkische TV-Serien: Sie verleihen arabischen Frauen eine Stimme

Türkische Seifenopern haben Einfluss auf Frauen in der gesamten arabischen Welt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Dokumentarfilmerin, die zuletzt in Abu Dhabi und Ra's al-Chaima unterwegs war. In den türkischen Formaten finden die Frauen sich selbst wieder oder bekommen eine Ahnung davon, wie sie selbst gerne sein möchten.

In ihrem Film „Kismet“ hat sich die Regisseurin Nina-Maria Paschalidou mit den Gründen für die sprunghaft angestiegene Popularität der türkischen TV-Serien in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Bulgarien und Griechenland auseinandergesetzt. Sie kommt zu dem Schluss: „Soap Operas sprechen auf eine sehr einfache und direkte Weise zu den Frauen. Sie gelangen auf eine Art in die Wohnungen, wie es sonst niemand kann.“ Über die türkischen Seifenopern bekämen die Zuschauerinnen im Nahen Osten Frauen zu sehen, mit denen sie sich leicht identifizieren könnten.

„Sie sehen eine Frau wie sie selbst eine sind. Eine, die Muslimin ist, die religiös ist, die traditionell ist, aber auf der anderen Seite modern. Ich denke, das ist genau das, was sie sein wollen, wonach sie streben“, zitiert The National Paschalidou. Die begann die Arbeit an ihrem Projekt übrigens im Jahr 2010. Damals erfuhr die Griechin von einem türkischen Freund von der Beliebtheit der türkischen Serie „Noor“. Darin geht es um eine Frau, die in bescheidenen Verhältnissen lebt, sich entwickelt und schließlich wahre Liebe findet. Das Format war seinerzeit die erste Serie, die Erfolge im Ausland feiern konnte. Schnell gewann sie die Herzen der Zuschauer im Nahen Osten und auf dem Balkan. Davon inspiriert begann Paschalidou ihre Recherchen zum Thema. Und ebenso schnell kristallisierte sich für sie heraus: Immer öfter geht es in den Seifenopern um die Rechte von Frauen.

„Fatmagul“ ermutigt zur Scheidung

„Noor“ und andere Seifenopern, die oft heikle Themen wie Vergewaltigung, erzwungene Heirat, Scheidung und außereheliche Affären angehen, würden ihrer Meinung nach das weibliche Publikum inspirieren. Hier würden sie lernen, sich zu behaupten. Bestätigt wurde das der Regisseurin in persönlichen Gesprächen wie zum Beispiel mit Samar. Die 54-jährige Frau aus dem Libanon lebt seit mehr als 30 Jahren in den Vereinigten Arabischen Emiraten und hat auch die entsprechende Staatsbürgerschaft. Sie ist zwei Mal geschieden worden. Ihre zweite Scheidung nach elf Jahren Ehe erkämpfte sie sich hart vor Gericht. Bis sie ihr Ziel erreichte, waren zwei Verfahren notwendig. Sie selbst gibt an, von „Fatmagul“ inspiriert worden zu sein. Darin geht es um eine Frau, die vergewaltigt wurde und den Mut aufbringt, ihren Fall vor Gericht zu bringen. Das habe sie ermutigt, selbst für ihre Rechte einzustehen (mehr hier).

Neben Samar kommen noch eine Reihe weiterer Frauen zu Wort. Sie davon zu überzeugen war jedoch nicht einfach. Gelungen sei das schließlich nur mit Hilfe von Prominenten, die ebenfalls in der Dokumentation auftauchen. Das allein sei jedoch nicht ausschlaggebend gewesen. Immerhin hätten diese Frauen bereits einiges hinter sich. Sie hätten bestärkende Erfahrungen gemacht. Das mache sie stolz und das würden sie auch mit anderen Menschen teilen wollen.

Serien kommunizieren die weibliche Sicht der Dinge

Auf der anderen Seite werden die Seifenopern immer wieder dafür kritisiert, traditionelle Werte zu untergraben (mehr hier). So forderte Saudi-Arabiens Großmufti im Juli 2008 die Zuschauer auf, sich „Noor“ nicht länger anzusehen. Andernorts macht man die türkischen Formate für höhere Scheidungsraten verantwortlich. Dabei macht diese Formate in den Augen der Regisseurin nur eine Sache aus. Sie kommunizieren die weibliche Sicht auf die Geschlechterverhältnisse und sie bedienen sich einer „universellen Sprache unter den Frauen, in der Frauen einfach nur mit den Männern gleichgestellt werden wollen.“

„Sie träumen nicht von einem vollkommenen, romantischen Kerl. Sie träumen von einem selbstbestimmten Leben und zwar in jeder erdenklichen Weise“, so Paschalidou. Sie würden die Männer heiraten wollen, die sie wollten. Sie wollen berufstätig sein. Das tun, was sie möchten. Sie würden Kinder haben wollen oder eben auch nicht. „Es gibt ein verbindendes Thema – sie wollen ein respektvolles Leben haben und in der Lage sein, das zu tun, was sie wollen.“

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