Neues Projekt: Türkische Kunst soll in ein umfassendes Online-Archiv

Kunstinteressierte sollen türkische Werke künftig nicht mehr nur in Galerien, Museen oder gar nur in einem Katalog betrachten können. Ein in Istanbul ansässiges Kommunikations- und Marketing-Unternehmen will jetzt das erste Kunstarchiv im Internet ins Leben rufen. Entstehen soll das „Archiv der Kunstbilder“ (SEGA), eine Online-Datenbank mit Bildern aller Kunstwerke, die in der Türkei erstellt wurden.

Geht es nach der Instanbuler Firma Telegram Contemporary Art Consultancy, dann ist Kunstgenuss künftig eine zeit- und ortsunabhängige Angelegenheit. Bereits seit einem Jahr bastelt man am Bosporus am so genannten „Archiv der Kunstbilder“ (SEGA). Das Ziel der Truppe um SEGA-Vorsitzenden Ateş M. Gündoğdu ist, Kunst für jeden in der Türkei, vom Studenten in abgelegenen Teilen des Landes bis hin zum Kunstsammler, verfügbar zu machen.

Gündoğdu zufolge sei SEGA „ein Projekt mit sozialer Verantwortung“. Die Kunstszene in der Türkei blüht. Das Land verfüge über eine wachsende Zahl von Galerien und Kunstwerken. SEGA sei in einer Zeit, in der die Online-Kommunikation zunehmende Bedeutung in einem immer hektischer werdenden Alltag mit begrenzter Zeit gewinnt, die konsequente Schlussfolgerung.

„Schätzungsweise 20 Ausstellungen werden Monat für Monat in Istanbul eröffnet. Die Galerie-Inhaber veröffentlichen aber nur zwei oder drei Bilder dieser Schauen über die Pressemitteilungen“, zitiert die türkische Zeitung Zaman Gündoğdu. Die übrigen Kunstwerke würden nicht von allen gesehen. Einige davon seien sogar schon verkauft. Schließt die Ausstellung, dann würden bald auch die Werke vergessen.

SEGA – das Online-Musem

SEGA soll künftig wie ein Almanach, eine Art Online-Museum funktionieren. Einige Institutionen in der Türkei haben das Problem bereits erkannt und arbeiten an Lösungen. Sie sind dabei einen Teil oder ihr gesamtes Archiv zu digitalisieren. Eines dieser Häuser ist das Sakıp Sabancı Museum (SSM) in Istanbul. Im vergangenen März kündigte das Museum an, seinen Bestand anlässlich des zehnten Geburtstags der Einrichtung digitalisieren zu wollen. Anfang Dezember sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Dann will das Museum über seine Homepage mehr als 77.000 hochauflösende Bilder präsentieren.

Ein ähnliches, wenn auch viel kleineres Projekt, wurde kürzlich von dem in Istanbul ansässigen SALT Kunstraum initiiert. Insgesamt fünf Online-Ausstellungen, zusammengestellt aus ihrer Forschungssammlung wurden über das Google Cultural Institute zugänglich gemacht. Initiativen wie diese sind löblich, haben aber in den Augen von SEGA einen Schönheitsfehler. Sie beziehen Kunstwerke anderer Häuser oder Institutionen nicht mit ein. Deshalb will man hier auch mit mit privaten und staatlichen Museen, Galerien, Auktionshäusern und Kunsträumen zusammenarbeiten. Auf diese Weise sollen alle Kunstwerke in der Türkei unter einem Dach gesammelt werden.

Bekannte und bisher verborgene Schätze

Das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus soll seine Unterstützung für das Projekt bereits zugesichert haben. Behilflich sein wolle man demnach bei der Aufrechterhaltung der Kommunikation zwischen den Museen und den Projektkoordinatoren. „SEGA funktioniert wie ein Almanach und ein Online-Museum [für die türkische Kunstszene]“, so Gündoğdu weiter. Zu sehen geben soll es alles: Zeitgenössische Werke neben historischen Künsten und solchen, die vorher noch nie in der Öffentlichkeit standen.

Zweifel daran, dass einige Museen oder Galerien sich nicht einbringen wollen, hat der SEGA-Vorsitzende nicht. Schließlich ginge es hier um eine Art Konservierung. „Eine Galerie könnte schließen. Doch ihre Arbeit wird [dank des Projekts] immer zugänglich bleiben.“ Seiner Ansicht nach habe es etwas mit Renommee zu tun, sich daran zu beteiligen. Um das Ganze jedoch in Gang zu bringen, brauche es nicht nur Geduld und Zeit, sondern vor allem auch finanzielle Mittel. Das sei derzeit auch das Hauptbeschäftigungsfeld. Es gehe darum ein Finanzierungsmodell und Sponsoren für SEGA aufzutun. Gespräche sollen bereits mit der in Istanbul ansässigen Borusan Holding geführt worden sein. Das Unternehmen ist ein regelmäßiger Unterstützer des türkischen Kulturlebens. So gibt es unter anderem das Borusan İstanbul Philharmonic Orchestra (BİFO). Geplant sei zudem, sich mit der Deutschen Bank und UniCredit in Verbindung zu setzen.

Gelingt die Finanzierung, soll das Projekt Anfang 2014 starten. Dann sollen die ersten 200.000 Bilder online gehen.

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