Mediennutzung: Türkische Kinder verlieren das Interesse am TV

Der türkische Nachwuchs verbringt mittlerweile mehr Zeit mit seinen Mobiltelefonen als vor den Fernsehgeräten. Eine vom Obersten Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) in Auftrag gegebene Untersuchung zeigt eine Verschiebung weg vom TV in Richtung mobiler Kommunikation und Internet. Den westlichen Ländern sind die Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 18 Jahren damit meilenweit voraus.

Türkische Kinder über sechs Jahre verbringen täglich mehr als zwei Stunden mit ihrem Handy und fast zwei Stunden vor dem Fernseher. Das ergab eine Untersuchung unter 4.306 Schülern in 26 türkischen Städten, die der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) durchgeführt hat. Diese intensive Nutzung digitaler Technologien in jungen Jahren bedeutet auch einen echten wirtschaftlichen Vorteil.

Türkische Schüler im Alter zwischen sechs und 18 Jahren verbringen täglich durchschnittlich zwei Stunden 39 Minuten mit ihren Mobiltelefonen, während sie im Schnitt eine Stunde 55 Minuten vor dem TV verbringen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage mit dem Titel „Mediennutzung der Kinder in der Türkei“.

Mobiltelefon gehört selbstverständlich zum Alltag

Die in persönlichen Gesprächen befragten Kinder gaben an, sie nutzten ihre Mobiltelefone vor allem für Gespräche, zum anderen für SMS, drittens für das Internet und schließlich für die Verbindung zu sozialen Netzwerken. „Fernsehen und Radio sind nicht mehr die Hauptkommunikationsmittel für Kinder. Das Internet und Handys haben sie überholt. Deshalb glaube ich, dass es besser wäre, Projekte durchzuführen, in denen die Auswirkungen von Internet und Mobiltelefone untersucht werden“, zitiert das Portal balkans.com RTÜK-Präsident Davut Dursun.

Die Umfrageteilnehmer verbringen durchschnittlich eine Stunde 48 Minuten im Internet. Darüber hinaus werden Tabletts und Rechner auch ohne Internet für eine Stunde und 30 Minuten genutzt. In Sachen Selbsteinschätzung fehlt es den jungen Leuten jedoch ein wenig am kritischen Blick. Denn: Obschon sie die meiste Zeit vor dem Handy verbringen, geben nur 45 Prozent an, dass das Mobiltelefon für sie das wichtigste Kommunikationsmittel wäre.

Darüber hinaus gaben rund 98 Prozent der Schüler an, dass sie einen Fernseher in ihrem Haus hätten. Um die 40 Prozent sagten, sie hätten sogar einen eigenes Gerät in ihrem Schlafzimmer. 46,3 Prozent der Befragen gaben an, ein Mobiltelefon zu besitzen. Die Mehrheit unter jenen, nämlich ganze 75,5 Prozent, haben damit auch Zugang zum Internet. Die Untersuchung ergab zudem, dass das Radio nicht unbedingt zu den beliebsten Medien der jungen Leute gehört. 66,4 Prozent gaben an, kein Radio zu hören. 26,6 Prozent tun das manchmal.

Neue Technologien made in Turkey

Die Türkei ist weltweit derzeit einer der stärksten Märkte für digitale Technologien. Mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren haben die Türken 30 Millionen Facebook- und sechs Millionen Twitter-Account in Betrieb. Und trotz immer wieder neu aufkommender Hürden (mehr hier und hier), boomen die türkischen Unternehmensgründungen in der Internetwirtschaft (mehr hier). In der Türkei nutzen dem Blog gemalto.com zufolge, gut 78 Prozent der Bevölkerung regelmäßig das Internet. „Die Türkei ist ihren westlichen Nachbarn einige Jahre voraus“, so das Fazit des Online-Portals, „besonders im Bereich Überweisungen, Identitäten und Authentifizierung“.

So war die Türkei das erste Land, das die Überweisung ohne Bankkarte, mobile Near-Field Communications (NFC) oder elektronische Identifikationskarten (eID) einführte. Die türkischen Unternehmen haben dadurch viel Erfahrung bei der Entwicklung und Implementierung solcher Technologien. Und das kann ein großer Wettbewerbsvorteil für die nahe Zukunft sein (mehr hier).

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