Siegeszug türkischer Seifenopern: Indische Produktionen werden vom Markt verdrängt

Bollywood hat ausgedient - zumindest in Pakistan. Dort wird der Markt derzeit von türkischen TV-Serien überschwemmt. Die Produktionen vom Bosporus verdrängen die indischen Seifenopern. Die türkischen Formate lassen derweil nicht nur Frauenherzen höher schlagen. Das ganze Land scheint erfasst.

Die Tage, in denen indische Seifenopern der große Hit in Pakistan waren, scheinen endgültig vorbei. Die Nation hat sich neuen Ufern zugewandt. Jetzt sind synchronisierte türkische Serien der letzte Schrei. Das Erfolgsgeheimnis: Formate wie „Mera Sultan“ oder „Ishq-e-Memnu“ sprechen Frauen und Männer gleichermaßen an.

„Die Verbindung zu ‚Mera Sultan‘ ist sehr tief“, zitiert die India Times die Hausfrau Amina Omer. Hier gehe es schließlich um das Osmanische Reich und damit um die Historie eines anderen muslimischen Landes. Deshalb sei auch ihr Mann ein ausgesprochener Fan. Doch nicht nur die Themen scheinen ausschlaggebend für den Erfolg. Im Einkauf sind sie deutlich günstiger als die pakistanischen Dramen. Darüber hinaus verfügen die türkischen Formate auch noch über aufwendigere Kostüme und Sets. In Pakistan kommen ganze Episoden schon mal mit einem Wohnzimmer als Kulisse aus. Auch hinter den Kameras, wenn es überhaupt mehrere gibt, geht es oft eng zu. Oftmals wirken Produktion sehr improvisiert. (mehr hier).

Mindestens sieben türkische Serien in Pakistan

Die Folge: Einst so erfolgreiche indische Serien wie „Saas Bhi Kabhi Bahu Thi“ werden derzeit geradezu abgehängt. Begonnen hatte ihr Niedergang mit dem TV-Kanal Urdu1, der im vergangenen Jahr begann, „Ishq-e-Memnu“ auszustrahlen. Mittlerweile laufen mindestens sieben türkischen Serien im pakistanischen TV. Und fast alle flimmern zur besten Sendezeit über die Bildschirme.

Glücklich sind damit natürlich nicht alle. Vor allem konservative Hardliner stören sich an den teils „provokativ“ gekleideten türkischen Schauspielerinnen (mehr hier). Problematisch werden auch andere liberale Züge wie etwa das Trinken von Alkohol empfunden. Immerhin klafft das Wertesystem der konservativ-pakistanischen Gesellschaft und jenes der Türkei in vielen Bereichen meilenweit auseinander. Zum Vergleich: Nur etwa fünf Prozent der pakistanischen Landeselite pflegen überhaupt einen modernen Lebensstil.

Baby bei konservativ-islamischem Sender zu gewinnen

Weniger Probleme scheinen Konservative aber offenbar mit anderen Ideen zu haben. Denn: Zuletzt geriet das pakistanische Fernsehen in diesem Sommer in die internationalen Schlagzeilen. In der Quizshow „Amaan Ramadan“ kämpften kinderlose Paare um ein Baby. Als Trostpreis winkten Autos und Handys. Vonstatten ging das Treiben ausgerechnet auf dem konservativ-islamischen Sender Geo TV. Das kleine Mädchen um das gekämpft wurde, war offenbar auf den Müll geworfen worden. Gerettet worden war das Neugeborene von der Wohltätigkeitsorganisation Chhipa.

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