Wurzelfäule: Rettet türkische Tanne das amerikanische Weihnachtsfest?

Wenige Wochen vor Weihnachten stehen die US-amerikanischen Weihnachtsbaumzüchter vor einem Riesenproblem. Ihre Gewächse wurden von Wurzelfäulnis befallen. Nun braucht es robustere Pflanzen. Die Lösung könnte in türkischen Tannen liegen.

Statt auf prächtige Tannen blicken US-amerikanische Weihnachtsbaumzüchter derzeit vielerorts auf kümmerliche Reste einst stolzer Gewächse. Noch vor zwei Monaten waren sie frohen Mutes, pünktlich zum Weihnachtsfest unzählige satt-grüne Tannen verkaufen zu können. Jetzt sind die Bäume tot, sie bleiben auf ihren Investitionen und jahrelanger Arbeit sitzen. Abhilfe könnte künftig eine Planzenart aus der Türkei schaffen.

Phytophthora, die so genannte Wurzelfäule hat den Amerikanern einen Strich durch die Weihnachtsrechnung gemacht. Einmal in der Erde, ist diese ungeeignet für die weitere Produktion. Die klassische Fraser-Tanne hat ausgedient, die Unternehmer sehen sich nach Alternativen um. Einige Züchter experimentieren bereits seit Jahren mit der Türkischen oder der hierzulade so beliebten Nordmann-Tanne. Beide Arten hätten einen vielversprechende Widerstand gegen Wurzelfäule gezeigt, berichtet NBC News.

Schäden geht in die Millionenhöhe

„Phytophthora ist  in den meisten Bereichen, in denen echte Tannen gewachsen sind, ein Problem“, so Gary A. Chastagner. Der Pflanzenpathologe von der Washington State University bezeichnet die Wurzelfäule mittlerweile als „nationales Problem.“

Das Zentrum der US-amerikanischen Christbaum-Produktion liegt in Oregon. Dort wurden 2007 rund sieben Millionen Bäume geerntet. North Carolina folgt auf Rang zwei mit 3,1 Millionen Bäumen. Allein für den Standort Oregon werden die Schäden auf  304 Millionen Dollar pro Jahr geschätzt, wenn das Problem nicht in den Griff zu kriegen ist. In North Carolina wird es zu jährlichen Ausfällen in Höhe von gut sechs Millionen Dollar kommen.

Aber: Bisher hat sich noch kein Fungizid auf den Plantagen bewährt. Sobald der Pilz in der Erde ist, war es das. Erstmals traten die Probleme in North Carolina nach dem Hurrikan Fran in Jahr 1996 auf. Nach Hurrikan Ivan 2004 soll die Sache den Plantagenbesitzern zufolge noch schlimmer geworden sein. Einige verloren im Verlauf der darauffolgenden Jahre jeweils gut ein Viertel ihres Bestandes. An einigen Orten liegt die Baumsterblichkeit aber mittlerweile bei 80 Prozent.

Suche nach genetischen Merkmalen

Nun hoffen Forscher an der Washington State und mehreren anderen Universitäten, die Geheimnisse einiger Arten zu entschlüsseln, die eine Resistenz gegen den Befall haben. Entsprechende Versuchsreihen laufen bereits. So wurden in einem Gewächshaus in der NC State Bäume bewusst mit dem Pilz infiziert. Jetzt suchen die Wissenschaftler nach Genen, die jenen in der resistenten Türkischen Tanne ähneln. Doch selbst, wenn etwas gefunden wird: Was in North Carolina anschlägt, hilft nicht unbedingt im Nordwesten, wo andere Arten von Phytophthora anzutreffen sind. Angelegt werden soll deshalb auch eine nationale Sammlung verschiedener Typen des Pilzes, um die regionalen Unterschiede besser zu verstehen. Das Ziel ist die Entwicklung genetischer Marker, um so Bäume auszumachen, die widerstandsfähig sind.

Doch bis es zur genetischen Modifikation einheimischer Bäume kommt, müssen die Züchter wohl oder übel auf Alternativen zurückgreifen. Seit 2004 haben Oregons Bauern durchschnittlich 500.000 Nordmann und Türkische Tannen pro Jahr gepflanzt. Ähnlich sieht es im westlichen Washington und dem Inland Empire aus. Ein Drei-Jahres-Projekt von WSU Puyallup, um überlegene Quellen der Nordmann und der Türkische Tanne zu identifizieren, hat mittlerweile zur Entwicklung von Samenplantagen für diese Arten geführt.

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