„Standing Man“ in Brüssel: Junger Mann demonstriert für türkische Journalisten in Haft

Der „Standing Man“, Erdem Gündüz, hat jetzt ein Mitglied der Europäischen Journalisten-Föderation (EJF) inspiriert. Der junge Mann tat es am 1. Dezember dem türkischen Künstler gleich und protestierte in Brüssel gegen die Inhaftierung von 46 Journalisten im Rahmen des KCK-Prozesses.

Mehmet Köksal hat die stillen Proteste des Sommers von der Türkei ins ferne Brüssel getragen. Das Mitglied der Europäischen Journalisten-Föderation (EJF) stand zwei Stunden lang schweigend und ohne Regung vor dem EU-Hauptquartier. Mit seiner Aktion wollte der junge Mann auf die derzeit 46 inhaftierten türkischen Journalisten aufmerksam machen. Sie werden beschuldigt, Mitglieder der verbotenen kurdischen separatistischen Rebellengruppe KCK (Union der Gemeinschaft Kurdistans) zu sein.

Köksal zufolge sei es „leichter, allein in der Kälte zu stehen“, als die Erfahrungen der Journalisten zu machen, die jetzt im Gefängnis säßen.

Der KCK-Fall begann bereits im Jahr 2011 mit einer ganzen Reihe von Razzien und Festnahmen. Unter den Festgenommenen befanden sich gleich mehrere Medienmitarbeiter und Journalisten (mehr hier). Vom türkischen Staat wurden die Aktionen als „Kampf gegen Terror“ bezeichnet. Die Kritiker sehen das jedoch anders. In ihren Augen ist das ein „klarer Fall von Machtmissbrauch“.

Der EFJ zufolge befinden sich derzeit 62 Journalisten in türkischen Gefängnissen. Vier von ihnen wurden bereits zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.

„Standing Man“ inspiriert in der ganzen Türkei

Am 17. Juni dieses Jahres stand ein einzelner Mann plötzlich ganz still auf dem Istanbuler Taksim Platz. Ohne eine Regung verharrte der 34-jährige Tänzer und Choreograph Erdem Gündüz über mehrere Stunden auf einem Areal, der bereits über Wochen Schauplatz heftigster Auseinandersetzungen war.  Sein Blick ging stur gerade aus in Richtung der Flagge mit Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk, die am Atatürk Kulturzentrum (AKM) angebracht ist.

Lange allein blieb der türkische Performance-Künstler allerdings nicht. Noch am gleichen Abend gesellten sich rund 300 Demonstranten dazu und taten es ihm gleich. Die so ausgelöste Welle erfasste über die folgenden Tage das gesamte Land und auch im Ausland gab es Nachahmer (mehr hier).

Erst im vergangenen August wurde die Ikone der türkischen Anti-Regierungs-Proteste in Deutschland mit dem M100 Media Award ausgezeichnet (mehr hier).

Begleitet wurde die Aktion Köksals übrigens von einer Veranstaltung in der Türkei. Der türkische Journalistenverband (TGS) organisierte am selben Tag eine Kundgebung auf dem Istanbuler Galatasaray-Platz.

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