Rettung nach 72 Stunden: Nigerianer überlebt am Grund des Atlantiks

Wie durch ein Wunder hat der nigerianische Koch Harrison Odjegba Okene drei Tage in den Tiefen des Atlantiks überlebt. Während alle anderen Crewmitglieder bei dem Schiffsunglück ums Leben kamen, gelang es dem Mann sich in eine Luftblase zu retten. Er selbst hatte die Hoffnung auf Bergung aber schon aufgegeben.

Erst jetzt ist die spektakuläre Rettung eines nigerianischen Schiffskoches an die Öffentlichkeit gelangt. Bereits im Mai war der Schlepper vor der nigerianischen Küste untergegangen und 30 Meter tief im Atlantik versunken. Während seine Kollegen ertranken, rettete sich der Mann in einen Hohlraum. Dort harrte er ganze drei Tage aus, bis Taucher ihn fanden. Das Video seiner Bergung geht mittlerweile um die Welt.

Harrison Odjegba Okene hatte Glück im Unglück. Als die „Jascon 4“ sank, kippte sie. Eine Luftblase bildete sich und bot dem Mann in seiner verzweifelten Lage einen Überlebensraum. Nur mit einer Boxershorts am Leib und einer Flasche Coca Cola als Verpflegung harrte er im eiskalten Wasser aus. Das berichtet ABC News.

Elf Seeleute finden den Tod

Die Luft wurde im Laufe der Zeit immer knapper. Als die Temperaturen auf den Gefrierpunkt fielen, war es Okene zufolge ein kurz vor dem Unglück von seiner Frau per SMS geschickter Psalm, der ihn durchhalten ließ. Er ist überzeugt, dass er überlebte und gerettet wurde, war von Gott gewollt. Der übrigen elf Mitglieder der Mannschaft fanden im Atlantik den Tod.

Eigentlich waren die Taucher der niederländischen Firma DCN Diving nur gekommen, um nach den Leichnamen Ausschau zu halten. Sie arbeiteten gut 120 Kilometer entfernt auf einem Öl-Feld. Noch bevor sie den Koch fanden, hatten sie bereits vier Tote geborgen. Als sie Okenes Hand auftauchen sahen, glaubten sie zunächst ebenfalls an eine Leiche. Doch dann packte der Nigerianer beherzt zu. Ein Moment des Schocks, sowohl für Okene als auch den Taucher.

Okene hätte nicht mehr lange atmen können

Für Tony Walker, Projektmanager der Firma, ist klar. Lange hätte der junge Mann das nicht mehr durchgehalten: „Er hatte unglaubliches Glück, in dieser Luftblase zu sein. Doch das Ganze wäre von begrenzter Dauer gewesen. (…) Er hätte nicht mehr atmen können.“

Okene Leidensweg begann um 04.30 Uhr früh am 26. Mai. Der Frühaufsteher war gerade auf der Toilette als der Schlepper plötzlich zu schlingern anfing und kippte. „Ich war benommen und überall war es dunkel, als ich von einem Ende der kleinen Kabine zur anderen geworfen wurde“, so Okene kurz nach seiner Rettung zu einer nigerianischen Zeitung. Er tastete sich heraus und versuchte einen Entlüftungsschacht zu finden. Er entdeckte einige Werkzeuge und eine Schwimmweste mit zwei Taschenlampen, die er in seine Hose stopfte.

Rettungsteam nahm ihn zunächst nicht wahr

Schließlich fand er eine sichere Kabine und das lange Warten begann. Natürlich machte er sich Sorgen um die Crew. Zehn Nigerianer und der ukrainische Kapitän, inklusive vier junger Kadetten frisch von der Akademie. Wahrscheinlich hatten sie sich in ihre Kabinen eingesperrt. Ein Standard-Verfahren in den von Piraten bedrohten Gewässern.

Die Geräusche des Meeres ließen Ängste in ihm hochsteigen. Er war sicher, hier sterben zu müssen. Ein erstes Rettungsteam konnte er offenbar nicht auf sich aufmerksam machen. Die Verzweiflung wuchs. Als er endlich gerettet werden konnte, sei den Angehörigen bereits gesagt worden, dass niemand überlebt habe.

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