Raoul Wallenberg Preis: Erste Auszeichnung des Europarats geht an türkische Regisseurin

Eine Jury hat entschieden: Elmas Arus erhält im Januar 2014 als erste Preisträgerin den Raoul Wallenberg Preis des Europarats. Die engagierte Roma-Regisseurin aus der Türkei wird damit für ihre herausragenden Beiträge zur Bewusstseinsbildung über die Bedingungen der Roma in der Türkei und anderswo ausgezeichnet.

Elmas Arus ist die Erste, die im Januar 2014 den vom Europarat ins Leben gerufenen Raoul Wallenberg Preis entgegen nehmen darf. Die Filmregisseurin aus der Türkei kämpft gegen die Diskriminierung der Roma. Dort werden sie nicht als eigene ethnische Volksgruppe definiert.

„Mit ihrer harten Arbeit, die Arus mit Mut und Ausdauer durchgeführt hat, leistet sie ein wirklich einen beeindruckenden Beitrag zum Kampf gegen tief verwurzelte Vorurteile und Diskriminierung von Roma“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet aus der Begründung. Im Rahmen ihrer Dokumentation zeigt Elmas Arus die Herausforderungen der verschiedenen Roma-Gruppen in der Türkei. Darüber hinaus rief sie den in Istanbul ansässigen Menschenrechtsverein „Null Diskriminierung“ ins Leben, deren Vorsitz sie noch immer inne hat und den Weg für zahlreiche andere Gruppen dieser Art geebnet hat. Mittlerweile gibt es über 200 Roma-Vereine in der Türkei.

Roma als unterste Schicht der türkischen Gesellschaft

„Die Roma werden in der Türkei nicht als eigene ethnische Volksgruppe definiert. Sie gelten ganz einfach als die unterste Schicht der Gesellschaft. Die Diskriminierung gegenüber den Roma ist daher vielmehr eine soziale Klassendiskriminierung“, zitiert die Deutsche Welle Elmas Arus. Es gebe keine genauen Angaben darüber, wie viele Roma in der Türkei lebten. Manche würden von einer Million sprechen, doch viele schätzten die Zahl weit höher.

Die Preisverleihung findet am 17. Januar im Hauptquartier des Europarates in Straßburg statt. Zwischen 2001 und 2010 war Arus und eine Gruppe von Freiwilligen von ihrer Universität in mehr als 400 Roma-Vierteln in 38 Städten in der Türkei unterwegs. Gemeinsam produzierten sie 360 Stunden Dokumentation.

Raoul Wallenbergs Schicksal ungeklärt

Der Preis wurde auf Initiative der schwedischen Regierung und des ungarischen Parlaments ins Leben gerufen. Ziel sei es, die Erinnerung an die überragenden Leistungen dieses schwedischen Diplomaten wach zu halten. Er hatte seinen Status genutzt, um Zehntausende Juden vor dem Holocaust zu retten. Er soll ab 2014 alle zwei Jahre für „außergewöhnliche humanitäre Leistungen einer Einzelperson, einer Personengruppe oder einer Organisation“ vergeben werden. Der 17. Januar ist der Tag der Verhaftung Raoul Wallenbergs 1945 in Budapest. Bis heute ist sein Schicksal ungeklärt.

Die Jury setzt sich aus sieben unabhängigen Personen zusammen. Sie alle genießen im Bereich der Menschenrechte und der humanitären Arbeit ein hohes moralisches Ansehen und wurden vom Generalsekretär des Europarates, dem schwedischen Außenministerium, der Stadt Budapest, dem Raoul Wallenberg-Institut in Lund, dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz, dem Hohen Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) sowie der Familie von Raoul Wallenberg ernannt.

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