Konfliktforscher aus den USA: „Die Türkei befindet sich in einer Identitäts-Krise“

In der Türkei befinden sich die Menschen in einer Identitäts-Krise. Der US-Psychologe Vamik Volkan sagt, dass ein regelrechter Kulturkampf zwischen Laizisten und Sozial-Konservativen tobe.

Der US-Psychologe Vamik Volkan erkennt eine Identitäts-Krise in der Türkei. Im Gespräch mit den DTN sagte er, dass die Situation „dramatisch“ sei.

„Das Problem beschränkt sich nicht auf die Anerkennung der kurdischen Identität“, so Volkan. Es gebe ein weitaus größeres Problem.

Volkan erklärt:

„Aus der Perspektive der kollektiven Identität ist die Türkei komplett zerstört. Es besteht eine große Kluft zwischen den religiös konservativen Kreisen und der Regierung auf der einen Seite und den die türkische Identität und die Republik verteidigenden Menschen auf der anderen Seite. Zwischen beiden Gruppen herrschen verwurzelte Vorurteile gegeneinander.“

Der Konfliktforscher Volkan erkennt offenbar einen Kulturkampf um die Zukunft der Türkei. In diesem Kampf begegnen sich säkulare und religiös konservative Türken (mehr hier). Diesen Eindruck möchte uns jedenfalls Volkan vermitteln.

Doch es gibt auch Hinweise darauf, die Volkans Behauptung stützen. Im November brachte Premier Erdoğan eine Diskussion ins Rollen, wonach eine Geschlechter-Trennung in Wohnheimen eingeführt werden soll. Die Zustände in den gemischten Privat-Wohnheimen seien unerträglich. Nachbarn würden sich beschweren, so Erdoğan.

Sowohl die Studenten als auch ein Großteil der Bürger befürchten die Einrichtung einer Sitten-Polizei (mehr hier).

Volkan übersieht jedoch, dass die islamisch konservativen Kreise keinen einheitlichen Block bilden und nicht alle politisch motiviert sind. Dasselbe gilt für säkulare Türken.

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