Kürzere Wege: Istanbul erhält zweiten Bosporus-Tunnel

Hinter die mediale Aufmerksamkeit des Marmaray-Tunnels ist ein Bauvorhaben gerückt, das für Istanbul von ebenso großer Bedeutung ist. Die Stadt wird nämlich schon in naher Zukunft über einen weiteren Tunnel verfügen. Der Avrasya-Tunnel soll voraussichtlich 2015 eröffnet werden.

Vor gut einem Monat wurde in Istanbul eine unterirdische Verbindung zwischen Europa und Asien eingeweiht. Doch bislang völlig unbemerkt wurde neben dem historischen Projekt ein weiteres Bauvorhaben umgesetzt. Derzeit entsteht der so genannte Avrasya-Tunnel, der schon in wenigen Jahren über 100.000 Personen pro Tag schneller als sonst von A nach B bringen soll.

Angedeutet worden sein soll das Projekt bereits vom türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan. In einer Rede habe er angedeutet, dass der Marmaray-Tunnel einen „Zwilling“ erhalten solle. Das berichtet das Nachrichtenportal Worldbulletin.

Verkürzung der Fahrtzeit auf 15 Minuten

Mittlerweile haben die Arbeiten an dem unterirdischen Bauwerk bereits begonnen . Einmal fertig, soll sich die Fahrtzeit zwischen Goztepe Viertel in Asien und dem Kazlicesme Bezirk in Europa auf 15 Minuten verkürzen. Bis es soweit ist, könnte es allerdings noch etwas dauern. Anvisiert ist bisher eine Eröffnung im Jahr 2015, andere Quellen nennen 2017 als Eröffnungsziel. Eile scheint jedoch geboten. Derzeit ist der Verkehr in Istanbul sogar schlimmer als in Moskau (mehr hier).

Der Avrasya-Straßentunnel soll etwa zwei Kilometer nebem dem Marmaray-Tunnel verlaufen und Staus deutlich reduzieren helfen. Täglich wird er voraussichtlich 120.000 Menschen über den Bosporus transportieren. Gebaut wird nach dem so genannten Build-Operate-Transfer-Modell. Den Zuschlag und die Lizenz für 26 Jahre erhielt das türkisch-koreanische Konsortium Eurasian Tunnel Operation Construction and Investment Company (ATAS).

Nur Autos und Minibusse zugelassen

Die Fahrbahnen sollen in der Tiefe künftig auf zwei Ebenen verlaufen und so Lasten übernehmen, die bisher von der Bosporus und der Fatih-Sultan-Mehmet-Brücke getragen wurden. Im Augenblick werden gerade die Fundamente fertig gestellt. Der Baufortschritt soll etwa acht bis zehn Meter pro Tag betragen. Die Kosten für das 5,4 Kilometer lange Bauwerk sollen sich auf etwa 1,1 Milliarden Dollar belaufen. Zugang haben nur Autos und Minibusse. LKWs, Busse und Motorräder dürfen nicht hindurch. Die Straße verläuft bis zu 27 Meter unter dem Meeresgrund.

Erst Ende Oktober beendete die Türkei den Bau des 76 Kilometer langen Eisenbahn-Tunnels in Istanbul. Das von allen Seiten als historisch gepriesene Projekt wurde nach etwa zehn Jahren Bauzeit eingeweiht. Der Marmaray-Tunnel verläuft unter dem Marmara-Meer und hat offiziell 4,1 Milliarden Euro gekostet. Die Europäische Investitions-Bank (EIB) und die Entwicklungsbank des Europarats (CEB) stecken 1,6 Milliarden Euro aus europäischen Steuergeldern in das Projekt. Das Thema Verkehr ist in der Türkei ein Fall für sich (mehr hier).

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