Um Ausgleich bemüht: Israelischer Minister besucht Türkei

Es gibt einen neuen Anlauf in der Aussöhnung zwischen Israel und der Türkei. Israels Umweltminister Amir Peretz hat bei einem Türkei-Besuch nur gute Worte für die Türkei gehabt. Dabei seien beide Länder sowohl geschichtlich als auch politisch miteinander verbunden. Insbesondere in der Iran-Frage haben beide Seiten dieselben Ansichten.

Erstmals seit 2010 ist ein israelischer Minister in die Türkei gereist. Umweltminister Amir Peretz war am Mittwoch in Istanbul, um an einer internationalen Umwelt-Konferenz teilzunehmen.

„Ich glaube, dass die Probleme zwischen der Türkei und Israel schon bald gelöst werden“, zitiert die Hürriyet den Minister. Sowohl die Türken als auch die Israelis erwarten von ihren Regierungen eine Aussöhnung.

Peretz äußerte sich auch optimistisch über die aktuellen internationalen Verhandlungen mit dem Iran. „Wir haben weitere fünf Monate, um eine Vereinbarung mit dem Iran zu erzielen. Natürlich möchten wir keinen Iran, der sich mit Nuklear-Waffen ausstattet“, so Peretz. Er selbst umschreibt sich als eine Person von der „Friedens-Front“. Offenbar möchte Peretz damit sagen, dass er in der Iran-Frage eine andere Meinung als Netanjahu vertritt.

Israel und die Türkei sind beide gegen das Atomprogramm des Iran. Die Annäherung zwischen beiden Staaten, ist auch unter den Botschaftern in Deutschland zu beobachten. Auf einer kürzlichen Veranstaltung des Zentralrats der Juden in Deutschland sagte der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsmann, dass die Türkei und Israel eine lange gemeinsame Vergangenheit hätten. Außerdem haben beide Staaten dieselben wirtschaftlichen Interessen, berichtet das Portal Siyaset Alemi. Die Türkei und Israel seien „im selben Boot“.

Der türkische Botschafter Hüseyin Avni Karslıoğlu zeigt sich ebenfalls kooperativ. Die Türkei und Israel seien beide gegen das Nuklear-Programm des Iran, berichtet Siyaset Alemi weiter.

Israels Bemühungen haben einen noch wichtigeren Hintergrund. Die Türkei kann in vielen Bereichen auf Israel verzichten. Israel braucht die Türkei mehr als die Türkei Israel braucht, berichtet die US-Denkfabrik Stratfor. Ohne die Türkei würde Israel im Nahen Osten sicherheitspolitisch und wirtschaftlich nahezu isoliert sein. Auch auf der militärischen Kooperations-Ebene könne die Türkei auf Israel verzichten, so Stratfor.

Doch erschwerend hinzu kommt, dass Tel Aviv immer wieder den türkischen Geheimdienst-Chef Hakan Fidan mit bisher unbewiesenen Vorwürfen konfrontiert. So soll Fidan die Namen von israelischen Informanten an den Iran verraten haben (mehr hier). Dieser Verdacht hat sich bisher nicht erhärten können. Hinter den Vorwürfen steckt offenbar ein anderes Kalkül.

Der Sabah-Journalist Taha Özhan schreibt in einem Artikel, dass die Israelis türkisches Territorium für Geheimdienst-Aktivitäten nutzen wollen. Doch Hakan Fidan duldet derartige Aktivitäten auf türkischem Boden nicht. Bei den Amerikanern gilt Fidan hingegen als vertrauenswürdig.

„Hakan Fidan ist ein loyaler, talentierter und entschlossener hochrangiger türkischer Bürokrat. Es ist mir eine besondere Freude, mit ihm zusammenzuarbeiten“, zitiert Ensonhaber den US-Botschafter in der Türkei, Francis Ricciardone. Offenbar haben Israel und die US-Regierung verschiedene Ansichten über Fidan.

In diesem Zusammenhang können die USA als Garant für gute türkisch-israelische Beziehungen auftreten. Denn sowohl die Türkei als auch Israel sind weitgehend abhängig von den Entscheidungs-Trägern in Washington. Auch wenn sie das nicht wahrhaben wollen.

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