Jugendwort „Babo“ ist keine Integration: Deutsch und Türkisch werden verwässert

Das kürzlich zum Jugendwort des Jahres gekürte Wort „Babo“ soll ein Zeichen gelungener Integration sein. Doch Deutsch und Türkisch werden verwässert. Immer mehr deutsche und deutsch-türkische Kinder sprechen und schreiben schlechtes Deutsch. Hinzu kommt, dass deutsch-türkischer Kinder ihre Muttersprache überwiegend nur im Straßenslang beherrschen. Denn auch das Wort „Babo“ ist Slang.

Im November wurde das Wort „Babo“ zum Jugendwort des Jahres 2013 erklärt. Doch eine gemeinsame „Multi-Kulti-Sprache“ ist nicht zwangsläufig ein Anzeichen für eine gelungene Integration. Immer mehr deutsche Jugendliche gucken sich bei ihren Freunden aus der dritten Generation der türkischen Einwanderer „Slang-Ausdrücke“ ab und bauen sie in ihren alltäglichen Sprachgebrauch ein.

Doch die Betonung liegt auf „Slang-Ausdrücke“, die Einzug in die deutsche Sprache halten. Dabei sind derartige Ausdrücke auch unter Deutsch-Türken verpönt. In diesem Zusammenhang wäre es eher ein Zeichen gelungener Integration, wenn „echte“ Worte der türkischen Sprache in das Deutsche übernommen werden. Das wäre auch nichts ungewöhnliches.

Denn im Deutschen befinden sich eine Reihe von Wörtern, die aus anderen Sprachräumen kommen. Auffällig ist, dass auch aus dem Englischen mehrheitlich „Slang-Ausdrücke“ übernommen werden. So wird das Wort „Chillen“ durchgehend von Jugendlichen benutzt.

Das Wort „Babo“ wird in der Türkei als eine sehr grobe und penetrante Ausdrucksweise eingestuft. Derartige Worte reduzieren die Vielfalt der Sprache. Die Sprache ist gleichzeitig der wichtigste Kulturträger. Deutsch und Türkisch werden verwässert.

Echte Zweisprachigkeit bereichert

Sowohl deutsche als auch deutsch-türkische Kinder verlernen ihre Muttersprachen. Was für ein schlechtes Türkisch deutsch-türkische Kinder sprechen, erfahren die Betroffenen erst im Türkei-Urlaub. Dabei zeigt ernste schulisch geförderte Zweisprachigkeit in vielen Schulen Erfolg (mehr hier). Doch derartige Maßnahmen sind nicht weit verbreitet.

Mehrsprachigkeit bedeutet, dass Jugendliche über die Sprache Zugang zur Literatur und Geschichte eines Kulturraums erhalten. Erst dann wird es auch möglich, konstruktive Symbiosen zwischen Kulturen zu entwickeln, die auch die Wissenschaft bereichern können.

Was viele nicht wissen: Das Wort „Babo“ entstammt nicht der weltweit siebtgrößten Sprachfamilie der Turk-Sprachen. Es entstammt ursprünglich der Zaza-Sprache aus Ostanaolien. Diese Sprache gehört zum iranischen Zweig der indogermanischen Sprachen.

„Kauderwelsch“ aus mehreren Ländern

Der deutsch-türkische Schriftsteller Feridun Zaimoğlu bestätigte im Gespräch mit der Zeitung Zaman, dass die Deutsch-Türken den Deutschen einige neue Wörter beigebracht hätten. Doch dabei handelt es sich oftmals um türkisches „Kauderwelsch“, so Zaimoğlu.

Die Beherrschung einer englischen, deutschen oder türkischen Slang-Sprache muss nicht zwangsläufig zum Verlust der ursprünglichen Muttersprache führen. Eine genaue Trennung in der praktischen Anwendung der Sprachen kann das verhindern. Ob diese Trennung gelingt, bleibt den Jugendlichen selbst überlassen.

Offenbar ist es auch ein natürlicher Prozess, dass sich derartige „Slang-Ausdrücke“ schneller durchsetzen als andere Ausdrücke. Jedenfalls ist es eine gesellschaftliche Realität.

Ungleichbehandlung an Schulen

Doch Integration ist etwas anderes. Sie muss in den Schulen beginnen. Denn das ist in Deutschland nach Angaben der UN ethnisch diskriminierend (mehr hier).

Dieser Befund geht auch aus einer Studie des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Migration und Integration hervor (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Mehrstaatigkeit im Koalitionsvertrag: „Erneuter Wahlbetrug der SPD“
In muslimischen Familien haben Frauen das letzte Wort
Leben in Deutschland: 90 Prozent der Türken fühlen sich hier zuhause

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.