Erdoğan: Türken sollen türkische Krawatten kaufen

Die türkische Regierung möchte die Industrie-Produktion ankurbeln. Der private Konsum soll sich auf inländische Produkte konzentrieren. Doch die Privat-Haushalte sind überschuldet und die Konsum-Blase wird immer größer. Sie droht zu platzen.

Premier Erdoğan sagte am Samstag im Rahmen einer Rede, dass die Türken ihren privaten Konsum von Import-Produkten auf Inlands-Produkte umleiten sollen.

Er könne es nicht nachvollziehen, warum die Menschen so viel Wert auf italienische Krawatten legen. Türkische Krawatten seien oftmals qualitativ viel hochwertiger. Die sollten gekauft werden. Doch der Türkei fehle es an weltweit berühmten Produkt-Marken. Das sei ausschlaggebend für die Konsumenten. „Einige schmücken sich mit italienischen Krawatten. Doch unsere Leute stellen bessere Krawatten her“, zitiert die Nachrichten-Agentur Anadolu Erdoğan.

Dahinter verberge sich ein „Minderwertigkeits-Komplex“. „Diesen wirtschaftlichen Kultur-Imperialismus müssen wir besiegen“, so Erdoğan. Dazu müsse zunächst die Wahrnehmung der Menschen verändert werden. Die Türken seien darauf angewiesen, ihre hochwertigen Produkte als Marken zu vermarkten. „Wir werden es schaffen, indem wir noch näher zusammen rücken. Durchgehende Disziplin und Zusammenhalt sind wichtig“, erklärt Erdoğan weiter.

Das Ziel der Türkei sei es, bis 2023 zu den zehn größten Industrie-Nationen zu gehören. Er hoffe, dass auf dem Weg zu diesem Ziel „keine weiteren Herzen gebrochen werden“. Das sei ihm wichtig. Damit macht er offenbar eine Anspielung auf die Gezi-Park Proteste. Erdoğan möchte den nachfolgenden Generationen eine Türkei hinterlassen, auf die die Türken stolz sein können.

Offenbar möchte Erdoğan die Inlands-Produktion ankurbeln, um eine Stagnation zu verhindern. Die Umleitung des Privat-Konsums auf Inlands-Produkte soll dies fördern.

Doch ein größeres Problem ist die Überschuldung der türkischen Privat-Haushalte. Die Kreditblase wird immer größer, berichtet die Versicherungsgesellschaft AvivaSA. Wenn die Konsumblase platzt müsste sich der türkische Staat verschulden, um im Rahmen einer expansiven Fiskalpolitik staatliche Investitionen vorzunehmen (mehr hier).

Erschwerend hinzu kommt, dass aktuell die Geldentwertung im Zuge der aktuellen expansiven Geldpolitik der Türkei zu einem Produktpreis-Anstieg führt. Das mindert die Kaufkraft der Bürger. Die Konsumentenpreis-Inflation lag im November bei 7,316 Prozent und die Erzeugerpreis-Inflation bei 6,77 Prozent, berichtet das Türkische Statistikamt.

Bei fortdauernder Inflation und gleichzeitiger Stagnation droht der Türkei ein wirtschaftspolitisches Dilemma. Denn dann muss die Regierung mit einer Stagflation kämpfen. Eine Inflation bei gleichzeitigem Produktionsrückgang sind die Folgen einer Stagflation.

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