Hintergründe zum NSU-Prozess: Mord an Polizistin Kiesewetter bleibt ein Rätsel

Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter bleibt weiterhin ein Rätsel. Insbesondere mögliche Berührungspunkte mit dem NSU-Trio bleiben im Verborgenen. Der Patenonkel der Ermordeten weiß offenbar mehr. Doch er schweigt.

Im Zuge des NSU-Prozesses lässt der Mord an der Polizeibeamtin Michèle Kiesewetter viele Fragen offen. Sie soll am 25. April 2007 in Heilbronn von Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt erschossen worden sein. Als Motiv wird immer noch „Hass gegen den Staat“ angenommen. Doch dieses Motiv ist fraglich.

2011 sagte der Chef des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, dass der Mord an Kiesewetter kein Zufall gewesen sein kann. Kurz darauf musste Ziercke seine Aussage aufgrund des öffentlichen Drucks zurücknehmen.

Der Zeit-Journalist Kristian Schulze schreibt 2011 in einem Artikel, dass Opfer und Täter sich offenbar sogar gekannt haben könnten. BKA-Chef Ziercke ging von einer Beziehungstat aus. Die aus Oberweißbach in Thüringen stammende Michèle Kiesewetter war in Heilbronn im Polizei-Einsatz. Doch sie besuchte oft ihre Heimat.

So soll Uwe Böhnhardt Kneipen-Gänger in einer Neo-Nazi-Kneipe aus Oberweißbach gewesen sein, schreibt Rüdiger Bäßler von der Badischen Zeitung in einem Artikel. Da Zierckes Aussage eine öffentliche Entrüstung auslöste, konnte dem Verdacht möglicher Berührungspunkte zwischen Kiesewetter und dem NSU-Trio nicht nachgegangen werden.

Doch NSU-Kläger Mehmet Daimagüler bleibt weiter stutzig. Die Ermordung der Polizistin Michele Kiesewetter beinhaltet eine Reihe von Ungereimtheiten. Das Muster entspreche nicht einem Mord aus Hass gegen den Staat. Vieles sei noch im Dunkeln. Auch der Patenonkel Kiesewetters möchte nicht reden. Doch er weiß scheinbar etwas, was der Öffentlichkeit bis heute verborgen geblieben ist (mehr hier).

„(…) Woher wussten die denn, dass Frau Kiesewetter und ihr Kollege an diesem Tag, zu dieser Uhrzeit, auf diesem Parkplatz Pause machten und ihr Mittagsbrötchen aßen?“, so Daimagüler.

Eine Woche nach der Ermordung der Polizistin soll ihr Patenonkel – selber Staatschützer aus Thüringen – in die Mordkommission nach Baden-Württemberg gekommen sein und gefragt haben:

„Könnte die Ermordung meiner Nichte etwas mit den Türken-Morden zu tun haben?“

Es kämen noch weitere Probleme hinzu. Man stoße immer wieder auf rechtsradikale Elemente innerhalb der Sicherheitsbehörden, wie zum Beispiel die beiden Vorgesetzten von Kiesewetter, welche dem Ku-Klux-Klan angehörten.

Doch die Deutsch-Türken glauben ohnehin nicht an eine Aufklärung der NSU-Affäre (mehr hier).

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