Flucht vor Hitler: Deutsche Migranten in Hollywood, Heimweh nach Deutschland

Einige Künstler und Intellektuelle konnten vor dem Nazi-Regime unter Adolf Hitler fliehen. Viele von ihnen fanden Zuflucht in den USA. Doch sie hatten Heimweh. Sie konnten sich nicht an ihre neue Heimat gewöhnen und zerbrachen daran. Peter Rosens Dokumentarfilm „Shadows in Paradise - Hitler’s Exiles in Hollywood“ versucht ihren Weg nachzuzeichnen.

Zwischen 1933 und 1945 mussten viele Deutsche vor dem NS-Regime fliehen. Nicht wenige fanden Zuflucht in Los Angeles, genauer in Santa Monica und Hollywood.

Zu ihnen gehörten Literaturwissenschaftler, wie Berthold Brecht, Thomas Mann oder Lion Feuchtwanger. Unter den Komponisten fanden sich ebenfalls Größen des damaligen Europas, wie Arnold Schönberg, Miklós Rózsa, Max Steiner, Ernst Toch oder Hanns Eisler.

Der Filmproduzent Peter Rosen hat die Schicksale dieser Menschen in dem Dokumentarfilm „Shadows in Paradise – Hitler’s Exiles in Hollywood“ einschlägig dargestellt. Am Dienstagabend wurde der Film im Jüdischen Museum Berlin aufgeführt.

Hollywood: „Tahiti in Großform“

Angesichts der Schrecken des Zweiten Weltkriegs sollten sich die deutschen Künstler glücklich schätzen, zumal sie in den nobelsten Gegenden von Los Angeles lebten. Doch sie waren unglücklich. Sie alle haben ihre Heimat sehr ungern verlassen. Viele von ihnen hatten Heimweh und konnten kein Wort Englisch. Heinrich Mann zerbrach seelisch an der Umstellung. Bei ihm war die Sehnsucht nach der deutschen Heimat besonders ausgeprägt. Doch auch Berthold Brecht kam nicht in Hollywood an. Für ihn war die Stadt nichts anderes als ein „Tahiti in Großform“.

Unabhängig von der Religionszugehörigkeit und der sozialen Schicht hatten sie bei der Ankunft in den USA nur eine einzige Identität: Sie teilten das Flüchtlings-Dasein. Der Pianist, Dirigent und Komponist Bruno Walter versuchte sich von Los Angeles aus, für die aus Deutschland nachrückenden Flüchtlinge einzusetzen.

Entgegen aller Behauptungen, hatte das US-Außenministerium kein großes Interesse daran, Juden aus Europa aufzunehmen. Das wird in dem Dokumentarfilm zur Sprache gebracht. Es gab eine jährliche Einwanderungsquote für europäische Juden. Doch zwischen 1933 und 1945 wurde die Quote niemals erfüllt.

Viele US-Beamte im Außenministerium sollen Antisemiten gewesen sein, die keinerlei Interesse an jüdischen Einwanderern hatten. Zudem wollte Präsident Eisenhower seine Landsleute nicht durch die Einwanderung von Juden „vergrätzen“.

Fremde in der eigenen Heimat

In der McCarthy-Ära zwischen 1947 und 1956 mussten dann einige der deutschen Emigranten feststellen, dass sie auch in den USA nicht vollkommen sicher waren. Diese Ära war geprägt von Antikommunismus, Denunziantentum und einer Willkür-Justiz. So wurden Lion Feuchtwanger, Bertold Brecht und Hanns Eisler als Linksintellektuelle beobachtet. Brecht und Eisler wurden sogar vom Komitee für unamerikanische Umtriebe (HUAC) des Repräsentantenhauses vorgeladen. Kurz danach wurde Eisler abgeschoben. Bertold Brecht verließ freiwillig das Land.

Im Film von Rosen wird auch erwähnt, dass die eigentliche Tragik nicht in der Flucht aus der Heimat bestehe. Diese liege darin, dass die Betroffenen bei ihrer Rückkehr erkennen mussten, dass sie mittlerweile auch Fremde in der eigenen Heimat geworden sind.

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