Beruf rechnet sich nicht: Deutschland gehen die Hebammen aus

Deutschlands Hebammen werden schlecht bezahlt: 280 Euro für eine normale Geburt – ein Hungerlohn. Finanziell interessant wird es nur bei komplizierten Geburten wie Kaiserschnitten. Der Grund: Die alternde Gesellschaft in Deutschland blickt auf Krankheit und Tod, und nicht auf das Leben. Die schlechte Behandlung der Hebammen ist Vorbote einer aussterbenden Nation.

Das Problem dabei sei vor allem auch das Gesundheitssystem an sich. „Es ist einfach auf Krankheit ausgelegt“, sagt die Verbandsvorsitzende Wolf-Rinne. Es gehe nur mehr darum, was bezahlt werde, wenn etwas schieflaufe, nicht was gespart wurde. Ein Beispiel sei das DRG-System – die Fallpauschalen. „Für eine normale Geburt, bei der alles gut läuft, kriegst du ein Appel und ein Ei“, so Susanna Rinne-Wolf. „Ein Kaiserschnitt oder eine Wehenunterstützung hingegen werden richtig gut bezahlt.“ Dass das System durch die Arbeit der Hebammen eigentlich sehr viel Geld spare, das sei eben noch immer nicht angekommen.

Die Kritik der Hebammen hat die Politik mittlerweile erreicht: Zumindest auf dem Papier sollen die Hebammen zukünftig etwas unterstützt werden. Im Koalitionsvertrag heißt es nun: „Die Sicherstellung einer flächendeckenden Versorgung mit Geburtshilfe ist uns wichtig. Wir werden daher die Situation der Geburtshilfe und der Hebammen beobachten und für eine angemessene Vergütung sorgen.“

Inwiefern diese sehr pauschale Formulierung tatsächlich in den kommenden Jahren zu einer Verbesserung der Lage der Hebammen führen wird, ist unklar. Konkrete Vorschläge wurden bisher nicht gemacht. Dabei haben die Hebammen selbst bereits einige Überlegungen dazu angestellt. So könnte etwa eine Deckelung helfen, so die Verbandsvorsitzende Rinne-Wolf. „Man könnte sagen, dass die Hebamme für zwei Millionen Euro versichert sein muss und alles was darüber hinaus anfällt, von einem aus Steuern finanzierten Fonds gedeckt wird.“ Eine weitere Möglichkeit wäre, dass wieder jeder Versicherer eine Versicherung für Geburtshilfe anbieten müsse. Dann gäbe es wieder eine Konkurrenz unter den Versicherungen und diese könnten sich gegenseitig rückversichern. „Oder man setzt die Verjährungsfrist auf 10 Jahre herab“, so Rinne-Wolf. „Aber das ist natürlich alles etwas, was auf politischer Ebene geschehen muss.“

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