Saudi-arabische Kunden: Bremst türkische Monogamie die Immobilienkäufe?

Potentielle Hauskäufer aus Saudi-Arabien bereiten den türkischen Behörden derzeit Kopfzerbrechen. Grund sind polygame arabische Männer. Sie möchten mit dem Erwerb einer Immobilie auch alle Ehefrauen ins Land holen. Doch Polygamie ist in der Türkei verboten. Eine Aufenthaltsgenehmigung gibt es nach derzeitigem Recht nur für eine Gattin.

Kann künftigen saudi-arabischen Immobilienbesitzern die Aufenthaltsgenehmigungen für mehrere Frauen ausgesprochen und damit ein Kauf schmackhafter gemacht werden? Mit dieser heiklen Frage muss sich derzeit das türkische Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung herumschlagen. Denn: Bisher gibt es eine solche Erlaubnis in der Türkei nur für eine Ehefrau. Im erzkonservativen Königreich ticken die Uhren allerdings noch anders.

Im Augenblick soll das Ministerium für Umwelt und Stadtentwicklung auf vermehrte Forderungen der Araber hin an einer entsprechenden Verordnung arbeiten, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. „Viele arabische Männer sagen, dass sie ein Haus in der Türkei kaufen wollen. Gleichzeitig bitten sie uns aber auch darum, dabei behilflich zu sein, alle Ehefrauen mit ins Land zu bringen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Hamit Demir, Vorsitzenden von Demir Construction. Die bestehende Gesetzgebung in der Türkei sehe eine solche Erlaubnis allerdings nur für eine Ehefrau vor. Im Umkehrschluss führe dies Demir zufolge dazu, dass viele Araber vor einem Hauskauf in der Türkei zurückschrecken würden.

Mindestaufenthaltsgenehmigung ausgeweitet

Dabei stieg die Nachfrage nach Anwesen in der Türkei zuletzt deutlich an. Geschuldet ist diese Entwicklung nicht zuletzt einer deutlich ausgeweiteten Mindestaufenthaltsgenehmigung für Ausländer auf ein Jahr (mehr hier). Zuvor schreckte die vermeintlich zu restriktive Gesetzgebung vor allem Kunden aus dem arabischen Raum ab (mehr hier). Nun steht also offenbar das türkische Verbot von Polygamie weiteren lukrativen Immobiliengeschäften im Weg. Aktuell sieht das am 4. April dieses Jahres vom türkischen Parlament verabschiedete  „Ausländer- und Asylgesetz“ Nr. 6458 folgende Regelungen vor:

„Ein ‚Kurzzeit-İkamet“ (…) kann unter anderem beantragen, wer über eine Immobilie in der Türkei verfügt, wer Geschäftskontakte knüpfen oder eine Firma gründen oder einen Türkischkurs in der Türkei belegen will und Langzeiturlauber ist. Das ‚Kurzzeit-İkamet‘ kann jeweils immer nur für höchstens ein Jahr ausgestellt und verlängert werden.“

Und weiter:

„Wer sich ununterbrochen mindestens acht Jahre legal in der Türkei aufhält, über ein ausreichendes und regelmäßiges Einkommen für sich und seine Familie verfügt, über eine wirksame Krankenversicherung verfügt und keine Bedrohung für die öffentliche Ordnung darstellt, erhält eine unbefristete Aufenthaltserlaubnis.“

Saudische Immobilienkäufer holen auf

Diese Regelung gilt auch für den Ehepartner. Doch insbesondere saudi-arabische Männer würden gerne alle ihre Gattinen mit ins Land holen. Entsprechende Nachfragen würden sich derzeit häufen, heißt es derzeit aus Branchenkreisen.

Unter arabischen Käufern nahmen die Saudis in den ersten zehn Monaten dieses Jahres sogar die Spitzenposition ein. Insgesamt erwarben sie 773 Immobilien. Ihnen nach folgen Iraker, Kuwaitis, VAE-Bürger und Jordanier. Insgesamt erwarben in dieser Zeit rund 15.000 Ausländer 21.691 Häuser in der Türkei. Die höchste Nachfrage kam aber nach wie vor aus Russland, Deutschland und Großbritannien.

Die Kaufinteressenten sollten vor einem Erwerb allerdings nicht nur das Wohl ihrer Ehefrauen im Sinn haben. Nicht selten werden ihnen viel zu hohe Renditen versprochen, die in der Realität des angespannten, aber immer noch nicht mit europäischen Verhältnissen vergleichbaren türkischen Immobilienmarktes nicht haltbar sind (mehr hier).

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