Sexuelle Anspielung: RTÜK straft türkische „Desperate Housewives“ ab

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) spielt erneut den Sittenwächter. Diesmal hat er die türkische Version der US-Erfolgsserie „Desperate Housewives“ im Visier. Die Medienaufsicht straft „Umutsuz Ev Kadınları“ ab, weil es in einer Szene zu sexuellen Anspielungen gekommen sein soll.

Weil der Begriff Dessert als Metapher für spätere Liebesspiele verwendet worden sein soll, hat der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) der türkischen Version der „Desperate Housewives“ eine Strafe aufgebrummt. Abermals argumentiert die Medienaufsicht mit dem vermeintlich schädlichen Einfluss auf Kinder.

Auf den Plan gerufen wurde der RTÜK von folgender Szene, die bereits am 19. September ausgestrahlt wurde: Gülşah, eine der Protagonistinnen, berührt ihren Mann zärtlich und sagt währenddessen: „Nach dem Abendessen gibt’s für uns ein Dessert.“ Offenbar zu schlüpfrig für die TV-Aufsicht, die dem ausstrahlenden Sender Fox umgehend eine Strafe von 115.000 Türkischen Lira, umgerechnet gut 60.000 Dollar, aufbrummte. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Szene soll „schädlich für Kinder“ sein

Aus deren Sicht gestaltet sich die Situation übrigens so: „Gülşah und Kudret (ihr Mann) haben sich entschieden, ein weiteres Baby zu bekommen. Gülşah trägt ein besonderes Outfit, als sie mit Kudret spricht. Dann erklärt sie ihm, dass sie zuerst ein gutes Abendessen und danach ein Dessert haben werden. Indem Gülşah mit den Händen ihres Mannes ihren Körper berührt, spielt sie auf etwas anderes als ein Dessert an.“ Und noch schlimmer: Während Gülşah und Kudret lachende Geräusche unter den Decken in ihrem Bett von sich geben, komme ihre Tochter Alara ins Zimmer. Eine solche Szene, so die Schlussfolgerung von RTÜK, sei „schädlich für Kinder“ und sei eine „unpassende Sexualerziehung“.

Neu ist diese Argumentation für alles, was nicht ins Bild des RTÜK passt, übrigens nicht. Ebenfalls tief in die Tasche greifen musste erst vor kurzem ein türkischer Privatsender, der die Halloween-Episode „Treehouse of Horror XXII“ der beliebten US-Serie „Die Simpsons“ ausgestrahlt hatte (mehr hier). In die moralischen Schranken verwiesen wurden auch die Drehbuchautoren einer türkischen Serie. So mussten die Protagonisten Zeynep und Ozan aus der beliebten türkischen TV-Serie „1 Erkek 1 Kadın” heiraten, weil das Konzept der wilden Ehe nicht in das Bild der Medienaufsicht passte (mehr hier).

Kinder verlieren Interesse an TV

Lange dürfte sich die Argumentation „Schutz der Kinder“ jedoch nicht mehr aufrecht erhalten lassen. Denn der türkische Nachwuchs verbringt mittlerweile mehr Zeit mit seinen Mobiltelefonen als vor den Fernsehgeräten. Das hat ausgerechnet eine vom Obersten Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) in Auftrag gegebene Untersuchung gezeigt, in der eine Verschiebung weg vom TV in Richtung mobiler Kommunikation und Internet bei den jungen Leuten deutlich wurde (mehr hier).

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