Raus aus der Krise: Griechische Gastronomen suchen ihr Glück in Istanbul

Die Krise hat Griechenland weiterhin fest im Griff. Auch bei Gourmets sitzt der Geldbeutel nicht mehr so locker. Grund genug für griechische Gastronomen, sich neuen Gefilden zuzuwenden. Ihr neues Geschmackszentrum heißt Istanbul. Dort locken sie die türkische Kundschaft mit zahlreichen Cafés, Bistros und Restaurants. Geboten wird dort allerdings mehr als bloße griechische Kulinarik.

Griechische Gastronomen versuchen der Krise im eigenen Land derzeit mit neuen Läden in der Bosporusmetropole zu entkommen. Startschwierigkeiten haben sie in der Fremde offenbar nicht. Viele der Investoren sind Griechen mit familiären Wurzeln in Anatolien. Während sie sich in der Türkei eine neue Existenz aufbauen, schielen die türkischen Urlauber und auch die Investoren gen Griechenland. Sie helfen, die marode Wirtschaft wieder anzukurbeln.

„Wenn ich ehrlich bin, ist in der Türkei im Vergleich zu Griechenland alles organisiert. Ich habe noch nie irgendwelche Probleme gehabt“, sagt Rena Lialiou, die gemeinsam mit Pinelopi Zacherakou das Café „Kalimera Cihangir“ besitzt. Der Laden öffnete vor gut einem Jahr und galt damals als das erste derartige griechische Café in der Stadt. Von mütterlicher Seite her hat Lialiou Wurzeln in Istanbul und Izmir. Schon vor 13 Jahren sei sie erstmals nach Istanbul gekommen und habe sich sofort verliebt, schildert sie der türkischen Zeitung Hürriyet.

Restaurants als Orte des kulturellen Austausches

Die Gastronomin hat gute Erinnerungen an ihre erste Zeit in der Türkei. Vor allem die Handwerker aus der Nachbarschaft seien besonders hilfreich gewesen. Auch sonst habe sie sich nie als Fremdkörper gefühlt: „Ich kam mir nie so vor, als wäre ich nicht in meinem Land. Vielmehr habe ich mich hier zuhause gefühlt. Mein einziges Problem ist die Sprache. Doch damit versuche ich zurecht zu kommen.“ Ihr kleines Café versteht sie deshalb auch nicht nur als bloßen Laden, in dem man etwas trinkt und isst. Der Genuss der griechischen Küche sei so etwas wie eine Brücke, mit deren Hilfe die Gäste gleichzeitig Türkisch und Griechisch lernen könnten.

Völlig neu in der Stadt ist hingegen Dimitris Pantonis. Der Geschäftsmann kam erst vor kurzem von Athen nach Istanbul. Im renommierten Stadtteil Bebek eröffnete er vor gut zwei Wochen ein eigenes Restaurant. Er baut auf seine Erfahrungen, die er in der griechischen Hauptstadt sammeln konnte. Denn seiner Ansicht nach hätten die beiden Metropolen durchaus viel miteinander gemein. Mit seiner Familie habe er alles auf eine Karte gesetzt und entschieden, in die Türkei zu gehen. Bisher habe er es noch nicht bereut, so Pantonis. Vielmehr würden sie die Stadt und ihren Neubeginn ausgesprochen genießen.

Istanbul habe er sich nicht ohne Grund ausgesucht. Die Türkei, und insbesondere die Bosporus-Metropole, erlebten derzeit im Gegensatz zu Griechenland ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum (mehr hier). Davon will auch Pantonis profitieren. Er plant, einige Jahre in der Türkei zu bleiben.

Türkische Touristen fahren nach Griechenland

Pantonis, Lialiou und Zacherakou sind nicht die einzigen, die ihr Glück in Istanbul suchen. Schon jetzt gibt es in der Stadt eine Menge griechischer Restaurants. Umgekehrt tun sich die Türken in letzter Zeit verstärkt als Touristen im benachbarten Griechenland um. Vor allem für türkische Kreuzfahrer wird das Land momentan immer attraktiver. Niedrige Preise und gelockerte Visa-Bestimmungen füllen die Kabinen. Die Nachfrage steigt zusehends. Bis zu 50.000 Urlauber sollen es in diesem Jahr werden.

Nicht nur urlaubs-, auch ökonomisches Interesse der Türken ist vorhanden. Schon im vergangenen Jahr hatten es türkische Unternehmen im Zuge der griechischen Privatisierungsbestrebungen besonders auf die griechischen Häfen abgesehen (mehr hier). Aufforderungen, zu investieren, kamen in diesem Frühjahr auch vom Türkisch-Griechischen Wirtschaftsrat. So forderte der stellvertretende Vorsitzende von Neon Energy, Dimitris Papanicolaou, im vergangenen April türkische Unternehmen auf, sich an Übernahmen von maroden griechischen Fabriken zu beteiligen. Seiner Ansicht nach böten sich eine Reihe von Investitions-Möglichkeiten. Ähnliche Bestrebungen gibt es auch von Seiten einiger Parlamentarier (mehr hier).

Bereits seit mehr als zwei Jahren gelten die Griechen als die neuen Gastarbeiter in der Türkei. Anlaufpunkt für zahlreiche Arbeitslose ist auch für sie vor allem Istanbul. Unter den Auswanderern sind zudem viele „Rückkehrer“, die die Türkei vor einigen Jahren verlassen mussten.

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