Nach fast fünf Jahren Gefängnis: Türkischer Top-Journalist kommt frei

Der türkische Journalist Mustafa Balbay ist nach langjähriger Haft wieder auf freiem Fuß. Er wurde zuvor im Zuge der Putschisten-Prozesse verurteilt. Eine wichtige Rolle bei seiner und anderen Inhaftierungen spielte sein Journalisten-Kollege Mehmet Baransu.

Der türkische Journalist Mustafa Balbay wurde nach vier Jahren und neun Monaten Haft aus dem Gefängnis entlassen. Balbay wurde im Verlauf seiner Inhaftierung bei den vergangenen Parlamentswahlen zum Abgeordneten gewählt.

Das türkische Verfassungsgericht entschied zuvor, dass aufgrund seiner Inhaftierung, seine Repräsentations-Berechtigung im Parlament unverhältnismäßig beeinträchtigt wurde, berichtet CNN Türk.

„Unsere aktuellen Erfahrungen können nicht einfach vergessen werden. Doch es besteht kein Anlass für Rachegefühle“, zitiert die Zeitung Hürriyet den CHP-Politiker Balbay.

Er nahm auch den türkischen Journalisten Mehmet Baransu in Schutz. Gegen Baransu wurde eine Anklage aufgrund Geheimnisverrats erhoben. Baransu hatte vor einigen Wochen ein Dokument des Nationalen Sicherheitsrats veröffentlicht.  Die Staatsanwaltschaft fordert acht Jahre Haft, berichtet die Zeitung Bugün.

In einem Interview mit Voice of America sagte Balbay, dass es legitim sei, Baransus journalistische Methoden zu kritisieren. Doch bevor diese Kritik ausgesprochen wird darf, müssen die Angriffe gegen seine Person gestoppt werden. Er fordere die Solidarität aller Journalisten.

Balbays Inschutznahme Baransus verwundert. Denn Mehmet Baransu spielte die Hauptrolle in der Inhaftierung von zahlreichen Menschen. Baransu lieferte der Staatsanwaltschaft 2010 eine Reihe von „Geheimdokumenten“, die zur Inhaftierung von hochrangigen Generälen führte. Dabei „enttarnten“ Baransu und die Journalistin Yasemin Çongar von der Zeitung TARAF ein Planspiel des Militärs als „Putschversuch“ gegen die AKP-Regierung. Dieser Putschisten-Prozess ging als „Vorschlaghammer-Prozess“ in die Geschichtsbücher ein.

Auch im Ergenekon-Prozess gab es deutliche Zweifel an der Beweislast gegen die Angeklagten. So gebe es nicht nur Widersprüche, sondern auch Fälschungen im Rahmen der Beweismaterialien. Das jedenfalls sagt der britische Forscher und Journalist Gareth H. Jenkins.

In seiner Analyse „Between Fact and Fantasy: Turkey’s Ergenekon Investigation“ hat er seinen Vorwurf nachweisen können.

Die Analyse wurde von der John Hopkins Universität und das Stockholmer Institut für Sicherheit und Entwicklungs-Politik in Auftrag gegeben (mehr hier).

Umso erstaunlicher ist die Haltung Mustafa Balbays. Er hat im Gegensatz zum Journalisten Baransu offenbar begriffen, dass der gesamte Berufsstand der Journalisten in der Türkei in Gefahr ist.

Mehr zum Thema:

Wegen Putsch-Versuch: Türkisches Gericht schickt 237 Militärs ins Gefängnis
International Press Freedom Award 2013: Türkischer Journalist in New York ausgezeichnet
Protest gegen Erdoğan: Staatsanwaltschaft fordert sechs Jahre Haft

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.