Finansbank: Wahlen bringen Unsicherheit für türkische Wirtschaft

Die türkische Wirtschaft wird von Jahr zu Jahr anfälliger gegenüber externen Schocks. Ausgerechnet das Superwahljahr 2014 wird zum ökonomischen Schicksalsjahr der Türkei. Die türkische Regierung läuft Gefahr, die Schwachstellen der türkischen Ökonomie im Wahlkampf aus den Augen zu verlieren.

Globale Turbulenzen, Schockwellen der Weltmärkte und ein jäher Konsumeinbruch drohen der Türkei 2014. Diese Warnung von Fachleuten könnte für Premierminister Recep Tayyip Erdoğan gerade noch rechtzeitig kommen, um der Schieflage der türkischen Wirtschaft begegnen zu können.

Nach Berichten des Oman Observers kritisieren Analysten das hohe Handelsbilanzdefizit in Kombination mit der hohen Auslandsverschuldung. „Die türkische Wirtschaft ist gegenüber weltweiten Entwicklungen sehr verwundbar geworden und ich glaube, dass diese Tapering-Geschichte und Unsicherheiten die Anfälligkeit im nächsten Jahr sogar noch verstärken werden“, so Deniz Çiçek, Ökonom der Finansbank Istanbul. Mit Tapering meint Çiçek ein mögliches Auslaufen der Geldvermehrung von Seiten der Federal Reserve Bank, des Zentralbank-Systems der USA.

Verfall der Türkischen Lira

Der Einbruch der Türkischen Lira im vergangenen Sommer bildete das erste Anzeichen von Schwäche der türkischen Wirtschaft gegenüber Volten der Fed. Diese kündigte an, die Geldflut zu bremsen. Das bewirkte einen Rückgang der Geldmittel in Schwellenmärkten wie der Türkei.

Die türkische Regierung setzt die Türkische Zentralbank unter Druck, den Zins niedrig zu halten. So soll die Wirtschaft angeregt und das Wachstum erhalten werden. Dies führt jedoch zu einem Verfall der Lira. Im Laufe dieses Jahres ist die türkische Währung im Vergleich zum US-Dollar um 13 Prozent eingebrochen. Um den weiteren Verfall ihrer Währung einzudämmen, tauscht die Zentralbank Teile ihrer ausländische Devisen gegen Lira.

Çiçek betont die Rolle der im nächsten Jahr anstehenden Wahlen als eine Art Vertrauenstest für die Investoren. „Selbstverständlich stellen die Wahlen ein großes Fragezeichen dar, aber der Einfluss auf die Wirtschaft wird begrenzt sein, solange die öffentlichen Ausgaben nicht völlig außer Kontrolle geraten.“

Führende Rating-Agenturen wie Moody’s und Standard & Poor’s teilen die Bedenken Çiçeks. Bedenklich seien vor allem die schwindelerregend hohe Handelsbilanzdefizit und die hohe Auslandsverschuldung. Das Handelsbilanzdefizit betrüge nach Prognosen des IWF dieses Jahr ungefähr sieben Prozent des Bruttoinlandsproduktes und werde nächstes Jahr noch weiter wachsen. Zum Vergleich: In Griechenland betrug 2012, also in einem Krisenjahr, das Verhältnis von Handelsbilanzdefizit zum Bruttoinlandsprodukt laut CIA-Factbook nur 3,3 Prozent, also knapp die Hälfte.

Noch keine akute Gefahr

Wenn, wie Çiçek behauptet, die öffentlichen Ausgaben über das Vertrauen der Investoren entscheiden werden, besteht angesichts eines moderaten Haushaltsdefizits (-2,1 % in 2012), noch keine akute Gefahr. Aber die Probleme werden sich langfristig in doppelter Hinsicht verschärfen: Denn durch den immer weiter wachsenden privaten Konsum in der Türkei wird sowohl das Handelsbilanzdefizit erhöht als auch die Inflation weiter angeheizt (mehr hier). Der Türkei droht somit langfristig ein doppeltes Defizit nach dem Vorbild der EU-Krisenstaaten. Dieses besteht aus einem Handelsbilanzdefizit bei gleichzeitigem Haushaltsdefizit.

Hinzu kommt, dass die Devisen der Zentralbank nicht unendlich sind und sich folglich die Währung nicht ewig stützen lässt. Um diesen Problemen zu begegnen, empfahl der Internationale Währungsfond (IWF) der Türkei im November, die „makroökonomische Politik zu straffen und Strukturreformen zu beschleunigen.“ Trotz der Sorgen der Fachleute und der Mahnung des IWF bezeichnete Premier Erdoğan die Türkei stets als „sicheren Hafen“ für Investoren aufgrund der „stabilitäsorientierten Politik“ seiner Regierung. Zumindest in der Vergangenheit erwies sich der türkische Aufschwung trotz der Krise in Europa und den Konflikten im Nahen Osten als stabil.

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