Deutschland: Migranten gründen ebenso häufig Unternehmen wie Einheimische

In der Existenzgründung sind Migranten ebenso eifrig wie Einheimische. Damit tragen sie erheblich zum Wachstum der deutschen Volkswirtschaft bei. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede hinsichtlich der Herkunft der Existenzgründer. Außerdem sind die Motive nicht immer positiv. Eine Schattenseite der Existenzgründung verschweigt die Studie.

Fast fünf Prozent der Migranten in Deutschland haben in den letzten dreieinhalb Jahren ein eigenes Unternehmen gegründet oder arbeiteten an der Gründung. Damit sind sie ziemlich genau so häufig Unternehmensgründer wie Einheimische. Dies ergibt eine am Montag veröffentlichte Studie des Instituts für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB). Sie beruft sich dabei auf Forschungsergebnisse des Global Entrepreneurship Monitor 2012.

Besonders umtriebig seien Zuwanderer aus dem westlichen und nördlichen Nachbarland, die überproportional unter den Firmengründern sind. Demgegenüber betätigen sich Zuwanderer aus Süd- und Osteuropa ähnlich häufig wie ihre einheimischen Pendants in der Gründung von Unternehmen.

Keine Anerkennung der eigenen Qualifikation

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Bildungshintergrund. Hochschulabsolventen neigen deutlich häufiger zur Firmengründung als Nicht-Akademiker. Somit ist der typische Firmengründer ein hochqualifizierter Migrant aus den westlichen Industrienationen. Mittlerweile gehören deutsch-türkische Unternehmer zu den tragenden Säulen der deutschen Wirtschaft, die mehr als 40 Milliarden Euro pro Jahr erwirtschaften (mehr hier).

Allerdings gründen viele Migranten Firmen auch aus der Not heraus: Dem IAB zufolge, ergreifen Migranten die Chance, mithilfe der Selbstständigkeit eine nicht deutschen Standards entsprechende Qualifikation zu nutzen. „Eine Gründung kann die Chance eröffnen, Fähigkeiten und Kenntnisse einzusetzen, die in Deutschland formal nicht anerkannt werden“, so die IAB.

Das Wort „Scheinselbständigkeit“ findet sich in der Studie kein einziges Mal. Darunter versteht man die rechtswidriger Deklarierung als Arbeitgeber durch die jeweilige Person, obwohl sie in Wirklichkeit Arbeitnehmer ist. Dies geschieht, um den Finanzämtern Abgaben vorzuenthalten, die laut Arbeits-, Sozialversicherungs- und Steuerrecht entrichtet werden müssten.

Weitere Einflussfaktoren sind Geschlecht und Alter der Neuunternehmer: Männer machen sich häufiger als Frauen selbstständig, und Personen mittleren Alters häufiger als Personen jenseits ihres 50. Lebensjahres.

Migranten leisten wichtigen Teil zur wirtschaftlichen Entwicklung

Das Fazit der Studie fällt wie folgt aus:

„Gründer gleichen sich in vielerlei Hinsicht, unabhängig davon, ob sie zugewandert sind oder nicht. Allerdings sind Migranten insgesamt häufiger unter den Gründern zu finden, als es ihrem Anteil an der Bevölkerung entsprechen würde. Dies ist auch eine Re aktion auf mangelnde Perspektiven am Arbeitsmarkt.“

Als ein wichtiges Ergebnis sei hier festzuhalten, dass Migranten nicht nur als abhängig Beschäftigte ein Potenzial böten. Vielmehr würden sie auch als Gründer in Erscheinung und leisten so einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland leisten. Das Jahr 2014 steht zudem ganz im Zeichen deutsch-türkischer Forschung und Innovation (mehr hier).

Hier geht es zur vollständigen Studie.

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