Medizin-Tourismus: Türkei will zum führenden internationalen Standort werden

Die Türkei gehört zu den wenigen Regionen weltweit, die in den vergangenen Jahren ein Wachstum auf dem Gebiet des Medizin-Tourismus verbuchen konnten. Die positive Entwicklung will das Land nun weiter ausbauen. Das ehrgeizige Ziel ist eine Verdoppelung der bisherigen Einnahmen: Bis zu fünf Milliarden jährlich sollen künftig über ausländische Patienten in türkische Kassen fließen.

Dem türkischen Gesundheitsminister Mehmet Müezzinoğlu zufolge, gehört die Türkei derzeit zu einer der wenigen Tourismus-Destinationen weltweit, die ihren Anteil am medizinischen Sektor deutlich ausbauen konnten. Ein Ende der Fahnenstange scheint derzeit nicht in Sicht. Geht es nach der türkischen Regierung, soll sich das aktuelle Volumen schnellstmöglich verdoppeln.

Derzeit seien es vor allem Patienten aus Russland und aus den Turkstaaten, die wegen medizinischer Belange in die Türkei reisen, so Müezzinoğlu. „Im Augenblick werden dadurch gut 2,5 Milliarden Dollar eingenommen. Wir wollen diese Zahl auf mehr als fünf Milliarden Dollar steigern“, zitiert ihn das Nachrichtenportal Worldbulletin.

WHO: Gesundheitsreformen sind vorbildlich

Das Potential ist nach Ansicht des türkischen Gesundheitsministers durchaus vorhanden. Immerhin würden in der näheren Region rund um die Türkei gut eine Milliarde Menschen leben. Und diese würden die Türkei offenbar als äußerst attraktives Ziel betrachten, wenn es um medizinische Behandlungen geht: „Die Türkei ist eine der wenigen touristischen Destinationen, die in den vergangenen Jahren ein Wachstum auf dem weltweiten medizinischen Tourismus-Markt erlebt haben“, so Müezzinoğlu weiter.

Insgesamt hat die Türkei im Bereich Gesundheit einen wesentlichen Schub erfahren. Das würdigte im vergangenen Jahr auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) während ihrer 65. Weltgesundheitsversammlung in Genf. Sie bezeichnete die Türkei bei dieser Gelegenheit als beispielhafte Nation hinsichtlich ihrer Gesundheitsreformen (mehr hier).
Die Position, die die Türkei mittlerweile in der Gesundheitswirtschaft erreicht habe, sei vor zehn Jahren nicht vorauszusehen gewesen, so auch der Minister. Die Türkei habe aber in einer sich immer stärker globalisierenden Welt hier noch eine Menge Entwicklungsmöglichkeiten.

Doch der Aufschwung hat auch Schattenseiten. Gerade in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Schlagzeilen von Gewalt gegen Ärzte und anderes medizinisches Personal. Mittlerweile waren mehr als 85 Prozent der Beschäftigten im türkischen Gesundheitssektor im Laufe ihres Berufslebens mindestens einmal Gewalt ausgesetzt. Das ergab eine Untersuchung der Gesundheitsgewerkschaft Sağlık-Sen. Schuld daran hätten den Verfassern zufolge nicht nur die mangelhaften Sicherheitsvorkehrungen, sondern auch die vorherrschenden Arbeitsbedingungen (mehr hier).

Hohe Qualität zu niedrigen Preisen

Vergangenes Jahr haben insgesamt gut 270.000 Touristen medizinische Eingriffe in der Türkei vornehmen lassen. Hiesige Poli-Kliniken bieten ihnen eine hohe Qualität. Doch auch die niedrigen Behandlungskosten spielen eine große Rolle (mehr hier). Oftmals wird der Gang zum Arzt auch noch mit einigen Tagen Urlaub verknüpft.

Durch eine Reihe spektakulärer Transplantationen konnte die Türkei zuletzt für weltweites Aufsehen sorgen. Gesichtstransplantationen, Gebärmuttertransplantationen, Verpflanzung mehrerer Gliedmaßen auf einmal: Die türkischen Mediziner hatten 2012 gleich durch mehrere Premieren von sich Reden gemacht.

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