Boom im Bau: Türkische Bauwirtschaft expandiert in neue Märkte

Das Auslandsgeschäft türkischer Bauunternehmen erreicht 2013 ähnliche Spitzenwerte wie 2012. Das Volumen ausländischer Aufträge hat sich im Vergleich zum Vorjahr verdoppelt. In Südafrika garantieren große Öl- und Erdgasreserven lukrative Geschäfte im Anlagenbau. Doch die Eroberung ausländischer Märkte steht im krassen Gegensatz zum schwächelnden Binnenmarkt. Die Aussichten der Baubranche für die nächsten Monate sind insgesamt schlecht.

In der Erschließung ausländischer Märkte sind türkische Bauunternehmen kaum zu stoppen. Die Branche hat 2013 gute Chancen, dem Rekordwert des vergangenen Jahres von 27 Milliarden Dollar Auftragsvolumen zumindest nahe zu kommen.

Wie die Fachzeitschrift Solidbau mitteilt, hat sie im Zeitraum Januar bis November bereits Aufträge im Wert von 24 Milliarden Dollar an Land gezogen. Alleine die Bauaufträge in Turkmenistan brachten zehn Milliarden Dollar. Dies entspricht 44 Prozent des Volumens ausländischer Bauaufträge.

Neben den Turkstaaten gehören Russland und die muslimischen Staaten zu den wichtigsten geografischen Domänen türkischer Konstruktionsfirmen. Der Markt Europas spielt dagegen eine untergeordnete Rolle. Im Gegensatz dazu wird Afrika immer bedeutender.

Der schwarze Kontinent war in den vergangenen Jahren ein Unsicherheitsfaktor der türkischen Baubranche. Die blutige Revolution in Libyen im Jahr 2011 vernichtete den für die Bauwirtschaft wichtigsten Absatzmarkt in Afrika. Tausende türkische Arbeiter mussten vor der drohenden Gefahr evakuiert werden. Gaddafis Regime war bis zum Zusammenbruch der verbündeten Sowjetunion der wichtigste Partner der türkischen Bauindustrie.

Im Ausgleich hat sich der türkische Bau im übrigen Nordafrika festgesetzt. Jüngste Beispiele sind das Schienenbauprojekt der türkischen Baufirma Yapi Merkezi in Äthiopien zwischen Awash und Woldia sowie weitere Bauprojekte in Äquatorialguinea und Südsudan.

Nun wagt die Branche den Sprung in die Subsahara-Staaten. Die großen Erdöl- und GasreservenSüdafrikas locken türkische Anlagebau-Unternehmen an. Diese erhoffen sich Aufträge zum Aufbau von Ölraffinerien, Kraftwerken und Industrieanlagen in Kenia und Uganda.

Die Expansions-Erfolge der Baubranche in mehreren Kontinenten zeigt sich in der Steigerung der Anzahl türkischer Global Player: Während 2003 nur acht türkische Bauunternehmen zu den 250 größten der Welt gehörten, sind es 2013 immerhin 38, darunter Renaissance Construction (Rönesans), Enka und Tekfen. Deren Jahresumsätze befinden sich ungefähr in der Größenordnung von der deutschen Züblin oder der österreichischen Porr.

Auch andere Zahlen über die Bedeutung des türkischen Baus sind aufschlussreich: 2012 betrug das gesamte Auftragsvolumen internationaler Bauunternehmen 511 Milliarden US-Dollar. Der türkische Anteil betrug mit 16,8 Milliarden 3,3 Prozent.

Allerdings kann der Erfolg im Auslandsgeschäft nicht über den langsamen Niedergang der türkischen Bauindustrie hinwegtäuschen. Denn im scharfen Kontrast zur Dynamik in den ausländischen Märkten steht die chronische Malaise auf dem Heimatmarkt. Hier schwächelt der türkische Bau, trotz anhaltend hoher Immobilienpreise, wie Oxford Business Group berichtet. Und trotz der großen Unterstützung durch den Staat dank öffentlicher Aufträge.

Die türkische Bauwirtschaft ist insgesamt in einer alarmierend schlechten Verfassung. Zahlen des Türkischen Instituts für Statistik (Turkstat) belegen eine seit März ununterbrochene Abwärtsentwicklung des Sectoral Confidence Index der türkischen Bauindustrie. Dieser Index gibt Auskunft über die Erwartungshaltung der jeweiligen Unternehmen auf Basis ihrer Auftragsbücher. Er liegt bereits das gesamte Jahr weit unterhalb des Niveaus der entsprechenden Indizes der Einzelhandels- und Dienstleistungsbranche.

Nicht nur die negative Tendenz, auch das ohnehin schon niedrige Niveau ist erschreckend: Der November-Wert liegt bei 77,1 Punkten. Unter 100 Punkte signalisieren Pessimismus der Unternehmen für die nächsten Monate, über 100 Punkte Optimismus.

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