Gerüchteküche: Haben russische Hacker 54 Millionen türkische Daten gestohlen?

Russische Hacker sollen im Besitz der ID-Daten von 54 Millionen türkischen Bürgern sein. Schuld daran haben offenbar die türkischen Institutionen selbst. Gerade die hiesigen Parteien und Ministerien haben mit Datensicherheit wenig am Hut.

Bekir Ağırdır, Generalmanager des Forschungsunternehmens KONDA, fürchtet, dass russische Hacker im Besitz von 54 Millionen türkischen ID-Daten, Adressen und Namen sein könnten. Davon habe er zumindest gehört. Verwundern würde den Fachmann das allerdings nicht. Der Umgang mit sensiblen Daten gestalte sich in der Türkei seiner Meinung nach mehr als lax.

Ağırdır zufolge, würden einige Parteien noch nicht einmal über ein Anti-Virus-System verfügen, aber dennoch sämtliche Wählerdaten hochladen. Kriminelle hätten hier leichtes Spiel. „In nur zwei Stunden könnten Hacker alle Informationen herunterladen“, zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet. Ein Umstand, auf den die Oberste Wahlbehörde die Parteien bereits 2011 hingewiesen haben soll.

Türkei schützt Daten ihrer Bürger nicht

Sorge um die Sicherheit persönlicher Daten hat nicht nur Bekir Ağırdır. Erst vor kurzem wurden Vorwürfe aus obersten Regierungskreisen laut. Die Türkei sei angeblich nicht in der Lage, die Daten ihrer Bürger angemessen zu schützen. Die öffentlichen Institutionen würden nach Ansicht der Präsidialamts-Untersuchungskommission (DDK) mit diesem Thema eher gleichgültig umgehen. Hinzu kämen entsprechende rechtliche Lücken. Insgesamt werde dieser Angelegenheit zu wenig Beachtung geschenkt. Gefordert wurde zudem die Bereitstellung eines angemessenen rechtlichen Rahmens.

In ihrem am 13. Dezember veröffentlichten Report mit dem Titel „Die nationale und internationalen Situation über den Schutz personenbezogener Daten“ bemängelte die DDK, dass öffentliche Institutionen online munter die Daten der Bürger mit anderen Einrichtungen teilen würden. Um einen sicheren Transfer werde sich allerdings nicht bemüht. Geprüft wurden unter anderem Vorgänge im Justiz- und Gesundheitsministerium sowie in der Finanzverwaltung.

Fehlende Kompetenzen erschweren die Situation

Ein gravierendes Problem in diesem Zusammenhang sei überdies die Frage der Zugriffsrechte. Denn viele staatliche Institutionen sind nicht die tatsächlichen Eigentümer ihrer Informationssysteme. Diese liegen bei Fremdfirmen, die ohne Einschränkungen auf die sensiblen Daten zugreifen könnten, so der Bericht weiter. Auch das müsse sich der DDK zufolge dringend ändern. Obendrein stellten die Prüfer einen offensichtlichen Mangel an Wissen bei den Regierungsangestellten in Bezug auf die Informationssicherheit und den Schutz der persönlichen Daten fest. Dabei will die überwiegende Mehrheit der türkischen Bevölkerung ihre persönlichen und privaten Informationen überhaupt nicht mit dem Staat teilen (mehr hier).

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