Razzien in Istanbul: Türkische Polizei verhaftet Söhne von Ministern

Die türkische Polizei hat 22 Personen aus Wirtschaft und Staatsdienst festgenommen. Darunter sollen sich auch der Sohn des türkischen Innenministers, der Sohn des Wirtschaftsministers und der Chef der Halkbank befinden. Ihnen wird Geldwäsche, Goldschmuggel und Bestechung vorgeworfen. Beobachter vermuten einen Zusammenhang mit dem Kampf von Premier Recep Tayyip Erdoğan gegen die Gülen-Bewegung. Die Verhaftung schockiert Öffentlichkeit wie Wirtschaft.

Der Sohn von Innenminister Muammar Güler, der Sohn von Wirtschaftsminister Zafer Caglayan sowie der Chef der Turkiye Halk Bankasi AS (HALK) Suleyman Aslan sollen am  vergangenen Dienstag von der türkischen Polizei verhaftet worden sein. Als Grund wurden von Seiten der staatlichen Nachrichtenagentur mögliche Schmiergeldzahlungen und angeblicher Korruption bei öffentlichen Ausschreibungen in Istanbul genannt.

Weder die Polizei noch die Regierung äußerten sich bisher zu dem Vorfall bei dem insgesamt 22 Personen festgenommen wurden, so das Wall Street Journal unter Berufung auf lokale Medien in Istanbul.

Die Nachrichten-Agentur Bloomberg zitiert in diesem Zusammenhang Premierminister Recep Tayyip Erdoğan unter Berufung auf die lokale Nachrichten-Agentur Anadolu mit den Worten, sein Kabinett werde „sich keinerlei Bedrohungen beugen“ angesichts der „hässlichen“ Versuche, es zu destabilisieren.

Nach Angaben lokaler Medien führte die Polizei eine Reihe von Razzien durch. Bei diesen wurden neben den Erwähnten weitere Geschäftsleute und auch Lokalpolitiker festgenommen. Der Gouverneur von Istanbul, Hüseyn Avni Mutlu, sagte, die Operationen würden noch andauern, nannte aber keine Details. „Zu diesem Zeitpunkt wäre es mir rechtlich nicht erlaubt, eine Stellungnahme abzugeben. Sobald die Operation abgeschlossen ist, werde ich sie benachrichtigen“, so Mutlu.

Beobachter sehen einen Zusammenhang zu der öffentlich ausgetragenen Fehde zwischen Erdoğans Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt (AKP) und Fethullah Gülen, einem einflussreichen, exilierten islamischen Prediger in den Vereinigten Staaten. Erdoğan versuchte die vergangenen Monate wiederholt, den Einfluss von Gülens Bewegung auf die türkische Politik zu unterbinden.

Die Beobachter verweisen auf die Gefolgsleute Gülens, die wichtige Schlüsselpositionen in Polizei und Justizwesen innehaben. Mit deren Hilfe sollen sie Einfluss auf die Regierung ausgeübt und politische Gegner angegriffen haben.

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