Migrationshintergrund in Deutschland: Statistiker tun sich immer schwerer, Anzahl und Herkunft zu erfassen

Nach Angaben des Statistischem Bundesamts lässt sich ein Teil der Migranten nicht mehr eindeutig einem Herkunftsland zuordnen. Grenzfälle, statistische Ungenauigkeiten und methodische Probleme erschweren eine realitätsgetreue Interpretation des Mikrozensus 2012. Daneben birgt der Bericht vom Mai 2013 große Überraschungen.

7,4 Prozent der in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund lassen sich nicht genau einem Herkunftsland zuordnen. Diese Ungenauigkeit ist auf methodische Schwächen zurückzuführen. Dazu gehört die statistische Nicht-Erfassung von Kindern beidseitig zugewanderter Eltern unterschiedlichen Hintergrundes wie zum Beispiel griechisch-polnisch sowie die statistische Blindheit gegenüber einigen hunderttausenden Aussiedlern. Dadurch verliert die Kategorie „Herkunftsland“ an Aussagekraft.

Nach dem Mikrozensus 2012 leben in Deutschland 16,3 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund, was einem Anteil von 20 Prozent an der Gesamtbevölkerung entspricht. Dies bedeutet eine Steigerung um 8,5 Prozent gegenüber 2005, einem Jahr mit vergleichbaren Erhebungen. 70,6 Prozent der Migranten haben europäische Wurzeln, darunter 31,6 Prozent in einem EU-Staat. Die übrigen Menschen mit Migrationshintergrund kommen vornehmlich aus dem asiatischen Raum (15,7 %), aus Afrika (3,5 %) und Amerika (2,5 %). Das Bundesland Hessen ist bei ihnen am beliebtesten (mehr hier).

Halbe Million mehr Menschen mit türkischem Hintergrund

Zu den großen Überraschungen der Studie gehört der sprunghafte Anstieg von „Personen mit türkischem Migrationshintergrund“ von fast einer halben Million innerhalb eines Jahres. Das Statistische Bundesamt erklärt dies mit der erstmaligen Erfassung von Kindern, bei denen beide Eltern Ausländer oder Eingebürgerte sind. Das berichtet der Mediendienst Integration.

Als weitere Sonderbarkeit gilt der geringe Anteil von Muslimen an der Gesamtbevölkerung. Nur 1,9 Prozent bekannten sich beim Zensus 2013 zum islamischen Glauben. Eine mögliche Ursache für dieses Ergebnis wäre nach Interpretation des Mediendienstes Integration Unklarheiten in der Fragestellung. Auch die fehlende Bereitschaft, sich einer der drei vorgegebenen Gruppen „sunnitischer, schiitischer oder alevitischer Islam“ zuzuordnen käme infrage.

Zu den Personen mit Migrationshintergrund zählt das Statistische Bundesamt „alle nach 1949 auf das heutige Gebiet der Bundesrepublik Deutschland Zugewanderten, sowie alle in Deutschland geborenen Ausländer und alle in Deutschland als Deutsche Geborenen mit zumindest einem zugewanderten oder als Ausländer in Deutschland geborenen Elternteil“. Und Deutschland braucht noch mehr. Bis 2050 fehlen zehn Millionen Erwerbstätige (mehr hier).

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