Rücktritt von Ministern gefordert: Prominente türkische Journalistin wird gefeuert

Die bekannte türkische Journalist Nazlı Ilicak bezahlte für ihre öffentliche Kritik an einigen türkischen Ministern einen hohen Preis. Die Sabah-Redakteurin äußerte sich zu Staatsrepräsentanten, deren Söhne in den derzeitigen Korruptionsskandal verwickelt sein sollen. Dafür musste sie nun gehen.

Weil sie sich offenbar unbequem in der Öffentlichkeit äußerte, hat die bekannte türkische Journalistin Nazlı Ilicak ihren Arbeitsplatz verloren. Im Zuge des Korruptionsskandals hatte sie den Rücktritt der Minister gefordert, deren Söhne bei kürzlichen Razzien festgenommen wurden. Dafür wurde sie nun „abgestraft“.

Die türkische Tageszeitung Sabah kündigte Ilicak am 18. Dezember. Im Gespräch mit der Hürriyet gab die Journalistin an, dass ihr bisheriger Arbeitgeber einen „Ideenkonflikt“ als Grund für diese Entscheidung angegeben habe. In den Jahren zuvor galt die Reporterin eher als Unterstützerin der AKP-Regierung, so das Blatt weiter.

Auf CNN Türk hatte Ilicak am 17. Dezember den Rücktritt jener Minister gefordert, deren Söhne jüngst festgenommen wurden. Am Dienstag wurden der Sohn von Innenminister Muammar Güler,  Barış Güler, der Spross vom Minister für Umwelt und Stadtplanung, Erdoğan Bayraktar, Abdullah Oğuz Bayraktar, sowie der Sohn von Wirtschaftsminister Zafer Çağlayan,Kaan Çağlayan, verhaftet (mehr hier).

Damit reiht sich Ilicak eine in eine lange Liste von Journalisten, die ihren Job aufgrund ihrer eigenen Meinung verloren haben. So sollen im Zusammenhang mit den Gezi Park Protesten allein im vergangenen Sommer mindestens 22 Journalisten gefeuert worden sein (mehr hier). Zweit weitere Kollegen verloren erst im November ihren Job beim staatlichen TV-Sender TRT (mehr hier).

In Brüssel dürfte man ob dieser jüngsten Entscheidungen sicherlich hellhörig werden. Im aktuellen EU-Fortschrittsbericht äußert man sich erneut tief besorgt über den Stand der Meinungsfreiheit in der Türkei. Negativ auf fiel insbesondere auch die stattfindende Selbstzensur der türkischen Medien (mehr hier).

Mehr zum Thema:

Razzien in Istanbul: Türkische Polizei verhaftet Söhne von Ministern
Razzien wegen Türkei-Proteste: Polizei nimmt linke Studenten fest
EU: Türkische Regierung hat Medien nichts vorzuschreiben

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.