CPJ-Bericht zur Pressefreiheit: Türkei ist erneut Schlusslicht

Das zweite Jahr infolge führt die Türkei die Rangliste zur Gefangenhaltung von Journalisten an. Sie verweist Iran und China auf Platz zwei und drei. Damit befindet sich die Türkei in Gesellschaft mit weiteren islamischen Autokratien und China.

Die Türkei hält mit 40 eingesperrten Journalisten den Rekord im Ranking des Committee to Protect Journalists (CPJ). Dies entspricht einem Anteil von knapp einem Fünftel aller inhaftierten Journalisten weltweit.

In keinem Land der Welt sind so viele Journalisten in Haft wie in dem Staat an Bosporus und Dardanellen. Allerdings bedeutet dies keine Veränderung im Vergleich zum Vorjahr. Der Türkei folgen der Iran mit 35 eingesperrten Journalisten und China mit 32.

Seit der ersten Erhebung 2000 ist die Zahl der der inhaftierten Journalisten global dramatisch angestiegen. Nur das Jahr 2013 bildet mit einem Rückgang von 211 gegenüber 232 Fällen eine deutliche Zäsur. Dennoch ist es das zweitschlimmste Jahr für die internationale Pressefreiheit.

Die Türkei pries US-Präsident Barack Obama laut Hürriyet noch 2010 in Verkennung sämtlicher Erkenntnisse von Demokratieforschungs-Instituten wie Freedom-House als „große islamische Demokratie“. Mit diesem Rekord erfüllt die Türkei auf ironische Weise jene Vorreiterrolle gegenüber anderen islamischen Staaten, die Premierminister Recep Tayyip Erdogan während des so genannten „Arabischen Frühlings“ beansprucht hat. Bis Redaktionsschluss liegen keine Stellungnahmen der türkischen Regierung zu diesem „Verdienst“ vor.

Zu den prominentesten eingesperrten Journalisten gehören die Gründerin der sozialistischen Zeitung Atilim („Quantensprung“) Hatice Duman, der Ankara-Korrsepondent des linken Magazins Ekmek ve Adalet („Brot und Gerechtigkeit“) Mustafa Gök, der Generaldirektor des marxistisch-leninistischen Radiosenders Özgür Radyo („Freies Radio“) Fusün Erdogan, sowie ein Reporter der pro-kurdischen Nachrichtenagentur Özgür Gündem (Freie Agenda) Faysal Tunc.

Nicht verhaftet, aber gekündigt wurde die bekannte türkische Journalisten Nazli Ilicak, nachdem sie den Rücktritt mehrerer türkischer Minister gefordert hatte (mehr hier). Deren Söhne sind bei der Razzienwelle in der Nacht zum Dienstag verhaftet worden (mehr hier).

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Klima der Angst: Türkische Pressefreiheit steckt in schwerer Krise
Reporter ohne Grenzen: Türkei ist das „weltgrößte Gefängnis für Journalisten“


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