Kein Platz zum Gebet: Muslime in Belfast suchen dringend eine neue Moschee

Muslimische Gläubige in der nordirischen Hauptstadt Belfast stehen derzeit vor einem echten Problem. Ihre Gemeinde wächst zusehends, ihre bisherige Anlaufstelle platzt aus allen Nähten. Verzweifelt suchen sie einen neuen Ort des Rückzugs. Ohne Erfolg. Mal sind sie nicht gewünscht, dann wieder sind die Preise viel zu hoch.

Seit mehr als einem Jahrzehnt schlagen sich die Muslime im nordirischen Belfast bereits mit einem Platzproblem herum. Die Zahl der Gemeindemitglieder steigt zusehends. Einen adäquaten Raum, um dort den eigenen Gebeten nachzukommen, gibt es aber schon lange nicht mehr.

Im Augenblick umfasst die muslimische Bevölkerung der zweitgrößten Stadt der irischen Insel gut 5000 Personen. Derzeit müssen sich die Gläubigen mit einem zwar schmucken, aber deutlich zu kleinen viktorianischen Anwesen begnügen. Doch die so genannte Haupt-Moschee der 280.537-Einwohner-Stadt hat ihre Grenzen. Zu den Freitagsgebeten erscheinen durchschnittlich rund 200 Menschen. Zu viel für das Haus im Wellington Park.

Mittlerweile ist das Kapazitätenproblem drängender denn je. Immer mehr Muslime strömen nach Nordirland. In den vergangenen zehn Jahren hat sich ihre Anzahl mehr als verdoppelt. Derzeit sind es Fachkräfte und Studenten aus mehr als 40 verschiedenen Staaten. Die bisherige Moschee kann diesen Zustrom nun einfach nicht mehr auffangen. Das berichtet das Nachrichtenportal Worldbulletin.

Anna Lo unterstützt Belfaster Muslime

Untätig war die muslimische Gemeinde in der Zwischenzeit nicht. Bisher konnten rund 650.000 irische Pfund, umgerechnet etwa 825.330 Euro, gesammelt werden. Eine passende Örtlichkeit ist bisher allerdings nicht in Sicht. Vorausschauend hatten sie sich bereits frühzeitig nach neuen Grund umgesehen. Ein Moschee-Neubau in Craigavon, in der Grafschaft Armagh, wurde vor einigen Jahren abgeblasen, nachdem sich die Anwohner beschwert hatten. Sie fürchteten eine Zunahme der Lärmbelästigung. Zudem habe man „Militanten“ nicht Tür und Tor öffnen wollen. Ein Argument, dass immer wieder vorgetragen wird, wenn es um den Bau einer Moschee in Wohngegenden geht (mehr hier). Ein weiteres Hindernis ist der begrenzte Parkraum. In den dicht besiedelten Gegenden der Region geht das meist nur mit einem Anwohnerparkausweis.

Hilfe bekommen die Belfaster Muslime aus der Politik. Anna Lo zog 2007 als erste, in Asien geborene Chinesin in ein europäisches Parlament und als erste Person mit Migrationshintergrund, in die Northern Ireland Assembly ein. Sie will die Gläubigen bei der Suche nach einer neuen Moschee unterstützen. Doch auch sie lernte bereits die Grenzen eines solchen Vorhabens kennen. Passende Grundstücke oder Gebäude befänden sich meist im teuren Süden der Stadt, so die Politikerin im Gespräch mit der BBC. Und dafür reicht das bisher gesammelte Geld der Gemeinde nicht.

„open air“-Lösungen für Moskau?

Ähnliche Sorgen haben die Muslime im fernen Moskau. Auch ihre Gemeinde wächst ständig. Doch in der 12-Millionen-Metropole gibt es gerade einmal vier Moscheen. Eine davon befindet sich gerade in der Renovierung. Das Platzproblem wollen die staatlichen Behörden dort quasi „open air“ lösen. In den Stadtparks sollen insgesamt 100 Gebetsplätze für Muslime eingerichtet werden. Gegen diese Ideen stellen sich jedoch sowohl russische Nationalisten als auch der Bürgermeister von Moskau, Sergei Semjonowitsch Sobjanin. Er ist der Ansicht: Die Masseneinwanderung von Arbeitsmigranten sei „schädlich“ und dürfe durch den Bau von Moscheen nicht noch gefördert werden. Die Muslime Moskaus teilen die Ansichten des Bürgermeisters nicht und wollen sich an Putin wenden. Nafigulla Ashirov, Obermufti des asiatischen Teils Russland, erhofft sich eine Unterstützung von höchster Stelle (mehr hier).

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