Ein Fladenbrot geht um die Welt: Hamburger wollen Amerikaner vom Döner überzeugen

Hierzulande ist er fester Bestandteil des Speiseplans. Ein schneller Döner auf die Hand, das ist deutscher Lifestyle. In den USA sieht das ganz anders aus. Timo und Nicole Winkel aus Hamburg haben diese Nische erkannt und den ersten Döner-Imbiss in den Vereinigten Staaten eröffnet. Dass ihre Idee tatsächlich gut war, wussten sie zunächst allerdings ganz und gar nicht. Heute stehen die beiden für mehr als nur Döner. Sie verkörpern das moderne Deutschland.

Ob der Berliner Döner-Erfinder, Kadir Durman, die kuriose Geschichte von Timo und Nicole Winkel noch mitbekommen hat, ist nicht bekannt. Seine Freude hätte der im Oktober verstorbene „Vater des Döners“ an den beiden Hamburgern sicherlich gehabt. Durman war der erste Geschäftsmann, der 1972 am Bahnhof Zoo in Berlin das Dönerfleisch im Brot servierte. Die beiden jungen Leute Anfang 30 haben seine Idee jetzt bis in die Vereinigten Staaten getragen.

Zu finden ist der erste Döner-Imbiss der USA in in Leesburg, Virginia. Das ist gut 60 Minuten von der Hauptstadt Washington entfernt. Angefangen hat alles im Jahr 2006 mit einem Truck als „rollende Dönerbude“. Gerade einmal gut fünf mal fünf Meter war der Anhänger groß. Davor aufgebaut Bierzeltgarnituren und Stehtische. Im Inneren fand sich die übliche Ausstattung: Waschbecken, Friteusen, ein Grill und – das ist neu – ein Dönerspieß. Seit 2008 ist daraus ein schmuckes „DönerBistro“ in der 202 Harrison Street, SE in Downtown geworden, dem vor einem Jahr ein weiterer Laden in Adams Morgan folgte. Schon bald soll ein dritter im Bundesstaat Maryland entstehen. Aus der kleinen Kette soll schon in wenigen Jahren ein Franchise-System entstehen, so zumindest der Plan.

Größter Fastfood-Markt der Welt bisher ohne Döner

Am Anfang stand eine vage Geschäftsidee, berichtet die Welt. Als Timo Wagner die Studentin Nicole in den USA besucht, bekommt er plötzlich Lust auf einen Döner. Dass auf dem größten Fastfood-Markt der Welt wirklich niemand Döner anbietet, konnte er nicht glauben. Die Nische war erkannt. Was darauf hin folgte, war, wie so viele Unternehmensgründungen, alles andere als ein Spaziergang.

Mit einem Investorenvisum vom US-Botschafter in Deutschland ging es los: Nach dem Start auf dem Parkplatz eines Shoppingcenters waren sie monatelang mit ihrem selbst umgebauten Döner-Truck unterwegs, grasten Festival um Festival ab. Live konnten ihre Kunden zusehen, wie die für sie bis dato fremde Köstlichkeit entsteht. Erfahrungen in der Gastronomie hatten die beiden allerdings nicht. Das Dönerrezept hatte Timo von einer türkischen Familie bekommen. Erklärt wurde den Neugierigen US-Kunden das „Prinzip Döner“ außerdem mit Hilfe einer kleinen Dia-Schau. Kontakte mit ihren Gästen hielt das Duo via Email. Das Konzept ging auf. Die US-Fans des Döners reisten dem Truck sogar hinterher.

Ordentlichen Schub, davon sind die Eltern eines dreijährigen Buben überzeugt, hat ihnen die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 gegeben. Das weltweit transportierte positive Image schlug sich auch in den USA nieder. Timo und Nicole stehen für das junge Deutschland, die wenig zu tun haben mit Weißwurst und Sauerkraut, das es in Washington DC durchaus gibt. Anlaufstelle sind diese beiden Läden jedoch eher für ältere Kunden. Die neue Assoziation heißt jedoch: Fußball, Döner, Bier und Bionade. All das bekommen die Gäste nun in ihrem „DönerBistro“.

„Man kann sich Deutschland ohne Döner nicht mehr vorstellen.“

Geschafft hat es das Duo nicht nur mit viel Enthusiasmus und Durchhaltevermögen. Aus Freunden und Familie in Deutschland wurden Anteilseigner und Investoren. Mittlerweile findet ihre Idee auch Nachahmer. In Seattle, Atlanta und Austin haben Deutsche nun ebenfalls Dönerläden eröffnet. Warum die Erfolgsstory eigentlich nicht aufzuhalten ist, scheint klar: „Die Amerikaner verbinden Deutschland mit Qualität, gutem Essen und gutem Bier. Selbst wenn sie Döner nicht kennen, wissen sie: Da kann ich keinen Fehler machen, das probiere ich mal aus“, zitiert die Süddeutsche Zeitung Timo Winkler. Übrigens würden er und seine Frau nie sagen, dass der Döner deutsch sei. Man erzähle, dass ein Türke ihn erfunden habe und die Deutschen ihn lieben würden. „Man kann sich Deutschland ohne Döner nicht mehr vorstellen.“

Während die US-Amerikaner den Döner nun für sich entdecken zu scheinen, ist man hierzulande schon einen Schritt weiter. Immer billiger und trotzdem lecker soll er sein. Die Hersteller des beliebten Fast-Food-Gerichts versuchen deshalb an allen Ecken und Enden zu sparen. Doch besser wird der Döner damit nicht, kritisiert der Unternehmer Uzunoğlu. Aus diesem Grund hat er bereits 2012 eine Döner-Akademie ins Leben gerufen. In der “D-DAS Akademie für Türkischen Döner” soll ein einheitlicher Standard gelehrt werden. Das Ziel des Regensburger Unternehmers: Er will den Döner „wie den amerikanischen Hamburger zu einer Marke machen“ (mehr hier).

Auch weitere Nischen rund um den Döner werden langsam besetzt. So wollen zwei Bremer Studenten mit einem eigens entwickelten Getränk dem Döner-Knoblauch-Atem zu Leibe rücken. Auch sie hoffen auf den großen Durchbruch (mehr hier).

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