Tablets für türkische Schulkinder: US-Gigant Apple ist aus dem Rennen

Ankara hat im Zuge einer öffentlichen Ausschreibung den US-Tech-Riesen Apple eine Absage erteilt. Im Rahmen eines großangelegten Technologie-Förderprojekts sollen künftig Tablets in der Türkei entwickelt und produziert werden. Diese sollen dann den türkischen Schulkindern zur Verfügung gestellt werden. Gescheitert sein soll der US-Konzern angeblich an den Finanzkriterien.

Die türkische Regierung hat sich am Donnerstag gegen den US-Giganten Apple entschieden. Dieser hatte an einer öffentlichen Ausschreibung im Rahmen des so genannten FATİH-Projekts teilgenommen. Ziel des Projektes ist es, rund 10.6 Millionen Tablet-Computer für türkische Schülerinnen und Schüler in der Türkei zu produzieren.

Das US-Unternehmen soll Finanzierungskriterien der türkischen Regierung nicht erfüllen können, berichtet die türkische Zeitung Hürriyet. Doch an mangelnder Liquidität leidet der Konzern ganz und gar nicht. Die angesammelten 147 Milliarden Dollar machen derzeit gut zehn Prozent aller Barreserven von US-Unternehmen aus. Das hat eine Auswertung von Moody’s ergeben. Trotz ausgezahlter Dividende und Aktienrückkäufen haben sich Apples Barmittel seit Ende vergangenen Jahres sogar noch um gut 9,5 Prozent erhöht. Mehr als 100 Milliarden Dollar seiner Barreserven soll Apple im Ausland halten.

Bereits im Februar 2013 wurde FATİH als Pilotprojekt in einigen türkischen Provinzen gestartet. Ziel ist es nun, Millionen von Schülern mit im Inland produzierten Tablets auszustatten. Den Zuschlag für die erste Phase von FATİH erhielt General Mobile. Weitere Ausschreibungen folgten. Zuletzt sah sich die türkische Regierung im Juni 2013 um. Damals beteiligten sich elf Unternehmen. Apple und eine türkische Technologiefirma sind nun aus dem Rennen. Dieses wird jetzt unter anderem unter Samsung, Vestel und Microsoft ausgemacht.

Türkische Regierung will rund vier Milliarden Dollar investieren

Marktexperten schätzen, dass für eine Versorgung der türkischen Schüler gut 10.6 Millionen Tablets benötigt würden. Das hierfür erforderliche Investitionsvolumen der türkischen Regierung betrage ihnen zufolge gut vier Milliarden Dollar. Aufgrund der gigantischen Zahl der davon profitierenden Schüler, gilt das FATİH-Projekt als weltweit größtes Vorhaben seiner Art. Für die Kinder und Jugendlichen soll es jedoch nicht nur Tablet-Computer geben. Künftig ist auch geplant, die herkömmlichen Tafeln durch interaktive Whiteboards in öffentlichen Schulen zu ersetzen.

Die übrigen Bieter werden nun die türkische Behörde für öffentliches Beschaffungswesen (KİK) mit weiteren Details ihrer Angebote versorgen. Wann der Gewinner der Ausschreibung bekannt gegeben wird, ist bisher nicht bekannt.

Treffen zwischen Tim Cook und Abdullah Gül

Noch Anfang des Jahres hatte Apple ernsthafte Ambitionen, die Ausschreibung für sich zu entscheiden. Eigens war eine Delegation von Apple nach Ankara gereist, um sich mit dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül zu treffen (mehr hier). Apple bemühte sich seit langer Zeit um den Auftrag. Doch war es dem Unternehmen bisher nicht gelungen die technischen Anforderungen der türkischen Regierung zu erfüllen. Der Geschäftsführer von Apple, Tim Cook hatte angekündigt, dass man deshalb mit türkischen Universitäten zusammen arbeiten wolle. Zuvor besuchte Gül im Mai 2012 die Haupgeschäftsstelle von Apple im kalifornischen Silicon Valley. Dort soll es den Berichten der türkischen Zeitung Milliyet zufolge bei einem Gespräch Unstimmigkeiten gegeben haben. So soll Präsident Gül Tim Cook gefragt haben, wann endlich türkische Sonderzeichen in die iPads und iPhones integriert würden (mehr hier). Der Apple Geschäftsführer Tim Cook soll prompt geantwortet haben: „Wissen wir nicht. Aber ich werde mich darum kümmern“. Erst Ende Oktober hatte das Unternehmen in der Türkei seinen Online-Store eröffnet.

Zuletzt herrschte zwischen den USA und der Türkei eine gespannte Stimmung. Erst zu Wochenbeginn hat die US-Administration einen Warnschuss inr Richtung Türkei gegeben. Die bilateralen Beziehungen dürften nicht für die türkische Innenpolitik instrumentalisiert werden. Im Zuge des Korruptionsskandals hatte Premier Erdoğan dem US-Botschafter Francis Ricciardone indirekt mit einer Ausweisung gedroht. Die Amerikaner feuerten darauf hin zurück. Von türkischer Seite werde das Klima mit gewissen Aussagen „vergiftet“.

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