Piraterie boomt: Türkische Polizei stellt 30 Millionen Raubkopien sicher

In den vergangenen drei Jahren haben türkische Polizeibeamte rund 30 Millionen Raubkopien sichergestellt. Die Beamten konfiszierten vor allem Bücher und Druckmaschinen. Der türkische Bücherschwarzmarkt floriert. Kleine Buchhandlungen sterben derweil aus.

Insgesamt stellte die türkische Polizei 29.313.162 Raubkopien sicher. In die Hände fielen den Beamten in den vergangenen drei Jahren vor allem Bücher und Broschüren. In Summe ganze 24 Millionen Stück. Dazu kommen mehr als vier Millionen DVDs und CDs, auf denen Filme, Musik, Videospiele und Computerprogramme gespeichert waren. Darüber hinaus wurden 280 Druckmaschinen beschlagnahmt. Der Wert dieser Gerätschaften liegt je nach Qualität zwischen 200.000 und 600.000 Euro.

„Raubkopierer wissen ganz genau, welche Filme gefragt sind, welche Bücher zu Bestsellern werden oder welche Autoren gerade angesagt sind“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet einen Beamten der Istanbuler Polizei. „Sie würden niemals in etwas investieren, was sich nicht auch verkaufen lässt.“

Lagerhallen der Polizei sind „größte Bibliothek der Türkei“

Die Palette der illegal gedruckten Bücher ist breit: Von Kinderbüchern bis hin zu echten Verkaufsschlagern, von medizinischer Literatur bis hin zu Lehrbüchern. Mittlerweile hat allein die Istanbuler Polizei zwei Lagerhallen angemietet, um das beschlagnahmte Material unterbringen zu können. Die Kosten dafür belaufen sich auf 50.000 Türkische Lira, umgerechnet 17.400 Euro, pro Jahr. Aber: Schon jetzt sind beide Räumlichkeiten zum Bersten gefüllt. In Polizeikreisen werden die Lagerhallen scherzhaft als „größte Bibliothek der Türkei“ bezeichnet. Doch zu lesen bekommt hier niemand etwas.

Die türkische Gesetzgebung untersagt jedoch eine Vernichtung oder eine Wiederverwendung des konfiszierten Materials bis es einen gültigen Richterspruch zur Sache gibt. Ein weiterer Einsatz in Schulen oder tatsächlichen Bibliotheken ist daher nicht möglich. Kommt es dann nach einem Urteil doch zur Weiterverwendung, fließen die Einnahmen dem Staat zu.

1,5 Millionen Lira Verlust an Steuern

Zuletzt präsentierte die Türkei auf der Frankfurter Buchmesse 2013 rund 3000 Neuerscheinungen (mehr hier). Im Augenblick werden mit Büchern in der Türkei jährlich rund 810 Millionen Dollar umgesetzt. Gut 27.000 Titel werden Jahr für Jahr produziert, davon 5.700 Neuerscheinungen. Insgesamt gibt es 1.724 Verlage, aber nur gut 6.000 Buchhandlungen landesweit. Die Preise sind ebenfalls recht hoch. Im Schnitt muss ein türkischer Leser für ein Hardcover 17,20 Euro veranschlagen. Ein Taschenbuch schlägt durchschnittlich mit 8,60 Euro zu Buche. Eine Buchpreisbindung gibt es ebenfalls nicht. Stattdessen stellen Verlage Grossisten ihre Titel mit 45 bis 55 Prozent und Buchhändlern mit 30 bis 45 Prozent Rabatt zur Verfügung.

Die Folgen sind entsprechend: Die Türkei ist mittlerweile der zweitgrößte Pirateriemarkt nach China (mehr hier). Der Verlust für den Staat ist immens: Etwa 1,5 Millionen Lira Verlust an Steuern resultiert aus dem illegalen Vervielfältigungsgeschäft.

Türkischer E-Book-Markt wächst

Ohnehin sind die Türken derzeit kein besonders lesefreudiges Volk. Im Schnitt greifen sie gerade einmal zu einem Buch in zehn Jahren. In digitaler Form können sie sich jedoch immer stärker für Literatur begeistern. E-Books sind derzeit auf dem Vormarsch. Sie haben numerisch betrachtet mit einer Umsatzsteigerung von 100 Prozent den größten Sprung hingelegt. Wurden 2011 insgesamt 1.314 E-Books verkauft, waren es 2012 bereits mehr als 2.900 Stück. Nach Angaben von Kenan Kocatürk, Generalsekretär der türkischen Verlegervereinigung, wachse der türkische Buchmarkt pro Jahr etwa 13 bis 15 Prozent. Im weltweiten Büchergeschäft tummele sich die Türkei derzeit auf Rang 15.

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