Zwei Jahre nach Uludere: Hinterbliebene wollen Gerechtigkeit, kein Geld

Die dramatischen Ereignisse an der irakisch-türkischen Grenze vom 28. Dezember 2011 lassen die Angehörigen der 34 Opfer noch immer nicht zur Ruhe kommen. Nach wie vor gibt es keine strafrechtlichen Konsequenzen des Massakers von Uludere. Mit Geld, wie es ihnen die türkische Regierung angeboten hat, ist die Angelegenheit nicht aus der Welt zu schaffen.

Zum zweiten Mal hat sich dieser Tage der Jahrestag des Massakers von Uludere genähert. Türkische Kampfjets bombardierten am 28. Dezember 2011 eine Gruppe von Schmugglern, die man fälschlicherweise für Mitglieder der Terrororganisation PKK gehalten hatte. 34 Zivilisten aus den Ortschaften Ortasu, Gülyazı und Ortabağ, teils fast noch Kinder, starben. Die Ereignisse sorgten in der gesamten Türkei für einen Aufschrei. Doch wer genau für die Tragödie verantwortlich ist, wurde bis heute nicht eindeutig geklärt. Das ist den Angehörigen allerdings  wichtiger, als alles Geld der Welt.

Bereits gut einen Monat nach den verheerenden Ereignissen reagierte die türkische Regierung mit einer Entschädigung von 44.000 Euro je Opfer. Noch nie in der Geschichte der Türkei wurde den Angehörigen von Militäropfern eine so hohe Entschädigungssumme gezahlt. Gleichzeitig versicherte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan Ende Januar 2012, dass die Kompensationszahlungen nicht bedeuten würden, dass die Untersuchungen nun vernachlässigt werden würden (mehr hier).

Angehörige wollen kein Blutgeld

Eine Entschuldigung für den Angriff in der Provinz Şırnak wurde damals jedoch abgelehnt und man verwies darauf, dass die gezahlte Summe als solche gelten könne. Nicht genug, wie die Hinterbliebenen bereits 2012 erklärten. „Der Staat sollte diejenigen, die den Befehl gaben, dass die Kampfflugzeuge starteten und feuerten, zur Verantwortung ziehen. Ganz gleich, ob das Ganze versehentlich oder mutwillig stattfand. Erst dann werden wir sagen, dass der Staat auf unserer Seite ist“, so der Vater eines Opfers (mehr hier).

Das Geld, insgesamt vier Millionen Lira bzw. 1.350.800 Euro, wurde zwar überwiesen. Die Hinterbliebenen aus dem armen Südosten der Türkei zogen jedoch ihre persönlichen Konsequenzen. Sie empfinden die Summe als regelrechtes Blutgeld. Anrühren konnten sie dieses nicht. Jetzt übersandten sie allesamt das Geld zurück nach Ankara. Beharrlich bestehen sie auf eine lückenlose Aufklärung der Hintergründe des Vorfalls, auf eine Anklage und Verurteilung der Verantwortlichen und damit auf Gerechtigkeit. Ihre einzige Forderung sei, dass die Täter von Roboskî zur Rechenschaft gezogen würden.

In einigen Städten der Region, insbesondere in Van und Başkale fanden zum Jahrestag Demonstrationen statt. Studenten an den Universitäten von Çukurova, Hakkâri und der Menderes-Universität Aydın forderten Aufklärung.

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