Korruptionsskandal in der Türkei: Deutsche Unternehmen sagen erstmal Stopp

Die jüngsten Vorgänge in der Türkei haben deutsche Unternehmen verunsichert. Hierzulande wird mit einer weiteren Eskalation der Lage gerechnet. Das Ganze könnte sich zu einem Drama für die Region und Europa entwickeln. Auch ihre türkischen Kollegen sorgen sich um die Zukunft. Die Mehrheit ist sich sicher, dass der Korruptionsskandal ernsthafte Auswirkungen auf die Wirtschaft haben wird.

Der türkische Korruptionsskandal hat die Märkte schwer gebeutelt. Sowohl der Deutsche  Industrie- und Handelskammertag (DIHK) als auch der Außenhandelsverband (BGA) blicken sorgenvoll gen Bosporus. Neuinvestitionen stehen für deutsche Unternehmen in Anbetracht der Lage erstmal nicht zur Debatte. Wenig optimistisch sind auch die türkischen CEOs.

„Deutsche Unternehmen sind mit Milliarden in der Türkei investiert und sehen die Auswirkungen der Regierungskrise mit Sorge“, zitiert das Handelsblatt Außenwirtschaftschef Volker Treier des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK). Der Fachmann rechnet aufgrund der unsicheren politischen Lage nun mit einem Rückgang des Konsums. „Brechen nun auch noch die Investitionen aus dem Ausland weg, steht das gesamte Geschäftsmodell der Türkei auf der Kippe. Das Land ist auf Gedeih und Verderb auf Investitionen aus dem Ausland angewiesen.“

Deutsche Unternehmen: Keine Neuinvestitionen in der Türkei

Die Märkte haben unmittelbar auf die politischen Ereignisse reagiert und setzten zur Talfahrt an. Erst am Freitag war die türkische Lira auf ein Rekordtief gefallen. Doch nicht nur die Währung, auch Aktien und Staatsanleihen stehen derzeit massiv unter Druck. (mehr hier). Mit einer solchen Wucht hatten die Investoren nicht gerechnet. Ihr Vertrauen ist dahin. Auch in Deutschland scheint das der Fall zu sein. Bereits in der Türkei engagierte deutsche Unternehmen würden die Regierungskrise genau beobachten, so Treier weiter. Vor allem der andauernde Verfall der türkischen Lira verhindere aber jetzt schon Neuinvestitionen. Die Unternehmen würden abwarten, bevor sie neues Geld in ein Land mit unsicheren politischen Verhältnissen steckten.

Ein düsteres Bild zeichnet auch Anton Börner, der Präsident des Groß- und Außenhandelsverbands BGA. Für eine weitere Wohlstandsvermehrung müssten die motivierten, gut ausgebildeten Eliten mitziehen, so der Fachmann zum Handelsblatt. Wenn diese sich aufgrund autoritärer Beschränkungen, fehlender Freiheiten oder mangelnder Rechtssicherheit abwenden, dann führe das unweigerlich zu Depression, Instabilität und Zunahme der Armut: „Ein Drama für die gesamte Region und Europa.“

Ein solches befürchten mittlerweile auch türkische CEOs. In einer aktuellen Umfrage rechnen ganze 71 Prozent der 132 befragten Firmenbosse damit, dass der aktuelle Korruptionsskandal ernsthafte Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes haben werde. Deutlich haben sie ihre Erwartungen zum Ende des Jahres und in der Folge auch für 2014 zurückgeschraubt. Mit einer spürbaren Erholung der Türkischen Lira rechnen sie nicht, das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Türkei und EU müssen wieder stärker zusammenrücken

Einen Ausweg aus der gegenwärtigen Situation sieht Außenexperte und stellvertretender Vorsitzende der Unionsfraktion, Andreas Schockenhoff, in einer engeren Einbindung der Türkei in die europäische Sicherheitsstruktur. Wenn sich erweise, dass die Korruptionsaffäre nicht von einer unabhängigen Justiz aufgearbeitet werden könne, wäre dies „verheerend für das Investitionsklima“, so Schockenhoff zum Tagesspiegel. Es müsse alles unterstützt werden, was freie Medien, eine unabhängige Justiz und die rechtsstaatliche Aufarbeitung politischer Skandale ermögliche. Auch der Chef des führenden türkischen Wirtschaftsverbands TÜSIAD sieht das so. Das Land müsse sich wieder auf seinen angestrebten EU-Beitritt besinnen, mahnte er bereits in der vergangenen Woche (mehr hier).

Derzeit sind gut 5600 deutsche Unternehmen am Bosporus ansäßig. Jährlich kommen etwa 500 weitere hinzu. Auch ohne EU-Beitritt sind die Türkei und Europa mittlerweile nicht mehr wirtschaftlich zu trennen (mehr hier).

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